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Samstag, 24.07.2010:
"Viel ideologischer Streit"
Die Soziologin Sabine Grenz erklärt, warum sich der Staat so schwer tut mit Regelungen für Bordelle, und ob das den Prostitution überhaupt etwas bringen würde.
Frau Grenz, zwei Bundesländer wollen, dass Bordelle künftig ähnlich wie Gaststätten konzessioniert werden. Warum tut sich der Staat eigentlich mit Regelungen bislang so schwer?
Reguliert worden ist die Prostitution schon lange, auch schon im 19. Jahrhundert. Die Frage ist wie. Die Regelungen, die jetzt gefunden werden sollen, dienen letztlich der Verbesserung der Geschäftsmöglichkeiten. Das ist weiterhin umstritten. Dass im Jahr 2002 unter Rot-Grün die Sittenwidrigkeit gestrichen wurde, hat ja nicht dazu geführt, dass jetzt alle einer Meinung sind, was die Prostitution angeht. So gibt es ja immer noch Stimmen, die sagen, jede Art der Prostitution sei Zwangsprostitution. Da wird noch viel gestritten, auch ideologisch. Man geht zwar davon aus, dass mehr Transparenz die Zwangsprostitution zurückdrängen kann, doch nachgewiesen ist das nicht. Es gibt Polizeileute, die sagen, dass Zwangsprostituierte schon jetzt nicht in den normalen Bordellen arbeiten, sondern dass es um Hotel-Prostitution geht. Die Frauen werden auf Hotelzimmer gebracht und wieder abgeholt. Das ist viel schwieriger aufzudecken.
Die Frage ist also - bringt eine Formalisierung wirklich auch den Frauen etwas.
Diejenigen, die die Lobbyarbeit für Verbesserungen der Geschäftsmöglichkeiten machen, sind meist die Bordellbesitzer - und nicht die Prostituierten, wie in den 70er oder 80er Jahren. Eine Art gewerkschaftliche Vertretung gibt es fast gar nicht. Ab und zu taucht in den Talkshows mal eine Sexarbeiterin auf.
Also Verdi-Mitgliedschaft für Prostituierte?
Die Frage ist doch, ob die Prostituierten das überhaupt wollen. Einige vielleicht. Doch bringt die Formalisierung auch Nachteile mit sich - man registriert sich, ist kontrollierbar. Es ist dann behördlich nachvollziehbar, dass man in der Prostitution gearbeitet hat. Viele wollen das nicht, weil das eine Phase in ihrem Leben ist, von der nicht jeder wissen soll. Das ist ja kein normaler Beruf, in dem man Karriere macht. Mit der Ausnahme vielleicht, wenn man sich von der Sex-Arbeiterin zur Bordellbetreiberin entwickelt.
Kommt eigentlich die halblegale Ausstrahlung der Bordelle den Wünschen der Freier entgegen?
Für einige macht es einen zusätzlichen Reiz aus, sich außerhalb der normalen Gesellschaft zu bewegen. Es heißt ja auch Halbwelt. Eine stärkere gesetzliche Reglementierung, wie sie auch jetzt wieder gefordert wird, trübt diesen Reiz für die Freier übrigens nicht, denn es bleibt ja für sie eine heimliche Angelegenheit. Die rechtliche Formalisierung der Prostitution hat ja gar nichts damit zu tun, ob das Geschäft für die Freier diskret gehandhabt wird oder nicht. Das "Schummrige" ist zum Teil nur eine Vorstellung von außen, denn es wirkt ja nicht jedes Bordell "schummrig", das ist ein diversifizierter Markt.
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