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Donnerstag, 14.04.2011:
UNTERM STRICH: Freier hinter Gitter!
Frankreich will Männer, die zu Prostituierten gehen, ins Gefängnis stecken
"Das Freudenmädchen ist traurig." Edith Piaf hat das gesungen. Das war zu einer Zeit, als der französische Staat dem ältesten Gewerbe der Welt einen festen Platz zuwies. Prostituierte hatten ihre Dienste in "geschlossenen Häusern" anzubieten, hinter vergitterten Milchglasfenstern. Später hat der Staat die geschlossenen Häuser dann schließen lassen. Nicolas Sarkozy ging noch einen Schritt weiter und sagte auch der Prostitution am Straßenrand den Kampf an. 2003 stellte er, damals noch Innenminister, das öffentliche Werben um Freier unter Strafe. Geografisch wie rechtlich ins Abseits gedrängt, sind Prostituierte seither Menschenhändlern und Zuhältern schutzloser ausgeliefert denn je. Aber noch scheint nicht alles verloren. Eine parlamentarische Untersuchungskommission empfahl dem Gesetzgeber nun, das Übel an der Wurzel zu packen und die Freier zu verfolgen. Wer die Dienste von Prostituierten in Anspruch nimmt, soll bis zu sechs Monate ins Gefängnis kommen. In minder schweren Fällen soll es mit einer Geldstrafe sein Bewenden haben.
Roselyne Bachelot, Frankreichs Ministerin für sozialen Zusammenhalt, hat Zustimmung signalisiert. Es gebe kein Recht auf sexuelle Dienstleistungen. Die Sozialistin Danielle Bousquet, die den Untersuchungsbericht am Mittwoch vorstellte, ist mit den Freiern noch deutlicher ins Gericht gegangen. Sie verwies auf die Statistik, wonach 41 Prozent der Männer, die Prostituierte aufsuchen, verheiratet sind, 57 Prozent sind Familienväter. "Der Freier, das ist Monsieur Alle Welt", stellte die Abgeordnete klar. Es sei nicht einzusehen, wieso er Schonung verdiene. In Schweden, wo die Freier seit 1999 belangt werden, sei die Prostitution zurückgegangen, ohne dass es deshalb zu mehr Vergewaltigungen gekommen sei. Bliebe noch das Problem, Frankreichs 20 000, zu 80 Prozent ausländischen Prostituierten einen neuen Broterwerb zu vermitteln. Die Kommission empfiehlt Aufenthaltserlaubnisse, Sozialhilfe und im Erfolgsfall Steuererleichterungen. Na denn.
Von Axel Veiel.
http://www.badische-zeitung.de/kolumnen-sonstige/unterm-strich-freier-hinter-gitter--44182217.html
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