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Sonntag, 30.05.2010:
Tür an Tür: Terminwohnung und Familienverband
Das ist eine ungewöhnliche Nachbarschaft: Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Familienverbände residiert in einem Haus, in dem auch eine Terminwohnung untergebracht ist. Kann das gut gehen?
Etwa zwei Jahre ist es her, da wurden massive Anwohnerproteste in Haslach laut, wo aufmerksame Nachbarn sogenannte Terminwohnungen just in ihrer Nähe ausgemacht hatten. Die Bewohnerinnen zogen ab, beziehungsweise aus. Nun meldet sich einer der damaligen Nachbarn: Er hat weiterrecherchiert, wo sich nun das "Reich der Amazonen" befindet. Und ist fündig geworden: Am Schlossbergring 8 a. Just dort ist seit etwa zwei Jahren auch die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Familienverbände (AGF) zu Hause – und fühlt sich wohl.
Lange Jahre in der Rempartstraße beheimatet, hieß es 2008 für die AGF schnell wieder möglichst zentrale und billige Räume auftun: Fürs Haus am Breisacher Tor standen Umbauarbeiten an, eine neue Heimat musste her. "Bei uns standen damals die Sachzwänge an erster Stelle, nämlich sofort einen akzeptablen und bezahlbaren Ersatz zu finden", sagt Beate Breiholz, die für die Außenkontakte und das Marketing der AGF zuständig ist. Im Erdgeschoss des Hauses Schlossbergring 8 a wurde man fündig – die Stadt würde hier den entsprechenden Mietanteil zahlen und dass ganz nebenbei auch noch von der Besichtigungsgruppe von einer Terminwohnung gesprochen wurde, habe niemanden richtig gestört.
Weder Berührungsängste noch Berührungspunkte
Nachdem der Ex-Nachbar sich nun beunruhigt zeigt, ob diese neue Nachbarschaft "verträglich" sei, ergeben Nachfragen bei der AGF, dass es in den vergangenen zwei Jahren keinerlei Berührungen gegeben habe zwischen den Bewohnern und dem Publikum der AGF im Erdgeschoss und den Bewohnerinnen im zweiten Stock und deren Klientel. Die klingeln an dem Türschild, das unter der Beschriftung "Mausefalle" keinen Namen ausweist. Beim Einzug der AGF habe dort "Herzenssache" gestanden, aber außer diesem doch recht dürren Hinweis sei für die Nutzerinnen des Hauses im EG nichts zu erkennen, was auf eine "Terminwohnung" hindeutet, betont Beate Breiholz.
Und auch die Polizei winkt ab. "Bislang ist aus polizeilicher Sicht nichts Auffälliges von dort zu melden", sagt Polizeisprecher Ulrich Brecht, "auch wenn der Ort uns als solcher natürlich im Zuge unserer Routinen bekannt ist." Unbekannt war diese Nachbarschaft bislang bei der Stadtverwaltung, vermeldet Edith Lamersdorf, Pressesprecherin der Stadt: "Wir nehmen das jetzt erst zur Kenntnis." Terminwohnungen fallen im übrigen nicht unter die Regelungen der städtischen Bordellkonzeption, die festlegt, wo Bordelle eingerichtet werden dürfen.
Für Beate Breiholz ist die Situation heute nicht anders als vor zwei Jahren beim Einzug, im Gegenteil: "Wir hatten keine Berührungsängste – und haben obendrein im täglichen Benachbartsein überhaupt keine Berührungspunkte." Da die AGF ohnehin nur an drei Stunden pro Woche Publikumsverkehr habe, sei die Begegnung diverser Kundschaften ohnehin kaum gegeben, so die AGF-Mitarbeiterin – und fügt hinzu: "Andere Nachbarschaften wären tatsächlich problematischer für uns, etwa Drogendealer."
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