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Dienstag, 28.09.2010:
Teurer Spaß: Mutter schickt Söhne ins Bordell
Kempten - Am Anfang stand eine Wette, am Schluss trafen sich alle vor Gericht. Zwei unbedarfte Allgäuer Brüder wurden auf der Hamburger Reeperbahn nach allen Regeln der käuflichen Liebe ausgenommen.
Über 15 000 Euro waren bei Morgengrauen weg! Antun „Toni“ D. (54), Besitzer einer Tabledance-Bar, wo es auch mehr als Tanz geben soll, muss sich schiefgelacht haben, als das Brüderpaar in seinem Laden aufschlug. Die beiden hatten sich einen Kurztrip nach Hamburg gegönnt, und sie hatten ein Ziel: Dass hier der jüngere Andreas (21) seine Unschuld verliert. Den sündigen Trip hatte Andreas gewonnen – mit einer „Salatblattwette“.
„Was möchtet ihr wetten, dass Ich den Salat mit den Zehen essen kann?“, fragte er im Familienkreis beim Essen. Es wurde der Reeperbahn-Ausflug nebst sexuellem Abenteuer in Aussicht gestellt. Und so kam es, dass Andreas sich hin- und herverrenkte und am Ende tatsächlich den Salat zwischen die Zähne bekam. Super gemacht! Selbst die Mutter war beeindruckt, sie freute sich aber auch insgeheim, dass ihr in sexuellen Dingen völlig unerfahrener Junior endlich mal etwas anderes zu tun gedachte als ständig nur zu lernen. Wird ja auch Zeit, dass er was mit Mädchen anfängt!
Gut gelaunt schoss sie gleich 50 Euro für den denkwürdigen Abend zu. Außerdem wurde dem 21-jährigen Studenten der ältere Bruder Alex (31) an die Seite gestellt. Als Aufpasser sozusagen. Im September 2009 ging es gen Norden. Die Allgäuer ließen es in der Bar durchaus bescheiden angehen. Der ältere Alex dazu vor dem Hamburger Amtsgericht, vor dem sich Clubbesitzer Antun D. derzeit wegen Urkundenfälschung verantworten muss: „Andreas hat Cola getrunken, ich selber Bier und Wodka Feige.“
Die Tänzerinnen süffelten aber auf Kosten der Brüder den hochpreisigen Champagner – 450 Euro die Flasche. Nach Stunden war das Kreditkartenlimit erreicht. Den Allgäuern wurde eine Rechnung von 13.000 Euro serviert. Trotzdem ging es fröhlich weiter. Weil sie eingeladen wurden, dachten die Brüder. Dem widersprach Clubbesitzer D.: „Was die beiden zum Schluss getrunken haben, ging aufs Haus. Nicht, was die Damen konsumiert haben.“ Der Morgen kommt, die Allgäuer gehen. „Mit dickem Kopf und wenig Geld“, erinnerte sich der ältere Alex. Alles wirkte wie ein irrealer, aber teurer Traum.
Der allerdings seine Fortsetzung fand: Plötzlich wurde das Konto von Andreas belastet, insgesamt fehlten 2500 Euro. Dahinter steckte Antun D. Angeblich soll ihm der ältere der Brüder dafür Überweisungen unterschrieben haben. Der 31-Jährige kann sich aber an so etwas nicht erinnern. „Ich dachte, wir wären quitt“, erzählte der dem Gericht. Nun muss ein Graphologe klären, ob die Unterschriften gefälscht sind. Mitte Oktober soll dann der Prozess weitergehen.
Andreas wartet weiter
Übrigens wurde das eigentliche Ziel der Reeperbahn-Reise nicht erreicht. Andreas wartet noch immer auf seine erste einschlägige Erfahrung. Der 21-Jährige kleinlaut vor Gericht: „Der Sex sollte ja stattfinden, aber ich war zu nervös und habe abgebrochen.“
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