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Montag, 27.09.2010:
Schockierend: Viele gehen nicht zum regelmäßigen Gesundheitscheck
Dieser Trend ist erschreckend: Immer weniger Prostituierte lassen sich beim Passauer Gesundheitsamt auf sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV/AIDS oder Syphilis checken. Die Behörde bietet regelmäßig kostenlose und anonyme Tests sowie Beratungsgespräche an. Das Problem ist nur: Fast niemand aus der Erotikbranche geht hin!
Amtsleiter Dr. Walter Wifling sagt: „Seit Jahren geht die Zahl der Prostituierten, die sich bei uns untersuchen lassen, zurück. Es kommen momentan nur etwa fünf bis zehn im Monat zu uns, das ist im Wesentlichen auch nur ein Etablissement.“ Bei mindestens 50 Dirnen, die laut Insider-Schätzungen regelmäßig im Stadtgebiet Passau tätig sind, bedeutet das im Klartext: 80 bis 90 Prozent der Freudenmädchen nehmen die lebenswichtigen Vorsorge-Termine beim Amt gar nicht wahr.
Theoretisch ist es möglich, dass sich die Prostituierten nicht beim Gesundheitsamt, sondern beim Hausarzt checken lassen. In der Praxis gilt das jedoch als äußerst unwahrscheinlich - aus zwei Gründen: Der Komplett-Test beim Hausarzt kostet rund 100 Euro. Dazu kommt, dass der Test dort nicht anonym durchgeführt wird.
Vor dem Jahr 2001 gab es eine gesetzliche Pflicht für Prostituierte, sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten prüfen zu lassen. Wer als gesund befunden wurde, bekam das offiziell in einem Gesundheitszeugnis bestätigt (umgangssprachlich auch „Bockschein“ genannt). Anfang 2001 setzte man dann statt auf behördliche Kontrolle lieber auf ein freiwilliges „Beratungsangebot“. Ein Check auf sexuell übertragbare Krankheiten ist seitdem nicht mehr vorgeschrieben. Dr. Wiflinger erklärt dazu: „Zwangsuntersuchungen sind kontraproduktiv. Sie würden eine Scheinsicherheit vortäuschen, die es in diesem sensiblen Bereich sowieso nie geben kann.“
Das Land Bayern ordnete wenige Monate nach Abschaffung der gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen im Jahr 2001 eine Kondompflicht bei Sex mit Prostituierten an. So die Theorie. In der Praxis sieht es aber teilweise ganz anders aus. Eine Bordellbetreiberin erzählt: „Sobald die Männer in Stimmung sind, denken sie nicht mehr nach. Sie versuchen sehr oft, ungeschützten Sex zu bekommen. Da muss dann das Mädchen einfach Nein sagen!“ Das Problem: Oft bieten die Freier mehr Geld für ungeschützten Sex. Was hinter verschlossenen Türen wirklich passiert, kann also schwer kontrolliert werden.
Offenbar ist einigen Freiern gar nicht bewusst, welchem Risiko sie sich aussetzen, wenn sie beim Sex auf ein Kondom verzichten. Im Nachbarland Österreich hat der Gesetzgeber dieser Tatsache Rechnung getragen. Dort sind die Huren zu wöchentlichen Tests auf bestimmte Geschlechtskrankheiten verpflichtet. Sie erhalten anschließend eine Kontrollkarte (umgangssprachlich „Deckel“). Alle drei Monate müssen sie sich außerdem auf HIV testen lassen. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Denn auch regelmäßige Tests sind - vor allem in der Sexbranche - keine Garantie für absolute Gesundheit.
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