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Freitag, 27.05.2011:
Rotlicht in der Endinger Altstadt
Etablissement der besonderen Art sorgt für Gesprächsstoff.
ENDINGEN. Während die Stadt Endingen darum kämpft, die Ansiedlung von Spielhallen im Stadtgebiet wenigstens steuern zu können, scheint in der Altstadt weitgehend unbemerkt ein Etablissement ganz anderer Art entstanden zu sein: ein SM-Haus – ein Treffpunkt für Freunde sadomasochistischer Sexualpraktiken. Die Nachricht zieht Kreise in der Stadt, doch die Ermittlungen stehen laut Polizeidirektion Emmendingen noch ganz am Anfang. Noch sei völlig unklar, ob die Einrichtung strafrechtlich relevant sei, gewerberechtliche Fragen aufwerfe oder als reine Privatsache zu werten sei.
Hinweise auf das Etablissement erhielt die Stadt Endingen nach Auskunft von Hauptamtsleiter Michael Kindler in der vergangenen Woche. Bei einer ersten Internetrecherche sei man schnell fündig geworden. Zum damaligen Zeitpunkt war auch noch eine Preisinformation von 50 Euro "pro Session" online abrufbar. Inzwischen ist die "location" aus der Liste des einschlägigen Forums entfernt, eine Auswahl von Fotos aus den verschiedenen Räumen sowie vom Zugang zum betreffenden Haus war aber auch am Donnerstag noch frei abrufbar im Internet.
Die Stadtverwaltung reagierte und zeigte den Sachverhalt beim Landratsamt Emmendingen an. Gleichzeitig informierte sie den Gemeinderat und den laut Kindler überraschten Hauseigentümer über die Hinweise auf die Nutzung des Gebäudes, in dem laut Aussage von Nachbarn offenbar gar niemand wohnt. Bewohnern der umliegenden Häuser waren in der Vergangenheit die roten Wände, die schwarzen Vorhänge und das rote Licht aufgefallen.
Rote Wände, schwarze Vorhänge, rotes Licht und Besucher in Aktion
Manche glaubten, im einen oder anderen Fall Nutzer des Gebäudes "in Aktion" gesehen zu haben. Allzu viel Publikumsverkehr wurde offenbar nicht beobachtet, aber immer wieder – "vielleicht zweimal pro Woche", so eine Anwohnerin – seien Männer gekommen. Und einmal habe sie zufällig ein Telefonat mitgehört, das nach Terminvereinbarung geklungen habe.
Als Sadomasochismus wird laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia in der Regel eine sexuelle "Spielart" verstanden, bei der ein Mensch Lust oder Befriedigung durch die Zufügung oder das Erleben von Schmerz, Macht oder Demütigung erlebt.
Die Beobachtungen sowie die im Internetforum gezeigten Fotos belegen aber einzig, dass in dem Haus in der Altstadt offenbar ganz spezielle sexuelle Praktiken ausgeübt werden. Unter welchen Voraussetzungen all dies dort mutmaßlich geschieht, ist allerdings für die weitere Bewertung wesentlich.
"Der erste Fall dieser Art in der Region"
Wurde oder wird die "location" gewerbsmäßig für Anhänger solcher Methoden angeboten, muss laut Thomas Ganter von der Kriminalpolizei Emmendingen geprüft werden, ob das Geschehen als Prostitution, als anderweitige gewerbliche Nutzung oder eben als Privatvergnügen gewertet werden muss. Der Fall sei der erste dieser Art in der Region, betont Ganter. Hinweise auf mögliche Prostitution gebe es dagegen im Bereich der Polizeidirektion Emmendingen "öfters mal". Fiele das SM-Haus unter die Rubrik Prostitution, wäre es in jedem Fall verboten, denn Prostitution ist in Kommunen unter 35 000 Einwohnern generell verboten. Wäre die Gebäudenutzung gewerberechtlich zu bewerten, müsste unter Umständen eine Nutzungsänderung der bisher als Wohnraum geltenden Räume beantragt werden. Als reines Privatvergnügen ohne gewerblichen Ansatz fiele das Ganze aber in den geschützten Bereich der Intimsphäre und wäre demnach wohl von den Behörden nicht offiziell zu beanstanden.
Das Aus für das "SM-Haus" ist mit dem Interesse offizieller Stellen an der Einrichtung aber möglicherweise ungeachtet der abschließenden rechtlichen Bewertung gekommen. Die "location" ist aus der Liste des Forums inzwischen gelöscht und der Hauseigentümer hat laut Auskunft der Stadtverwaltung seinem Mieter eine von reinen Wohnzwecken abweichende Nutzung untersagt. Das wäre ganz im Sinne der Stadt, die solche Einrichtungen nicht haben will, wie Hauptamtsleiter Michael Kindler unterstreicht. Im Internet amüsiert sich derweil mancher darüber, dass Endingen so etwas zu bieten habe.
http://www.badische-zeitung.de/endingen/rotlicht-in-der-altstadt--45777413.html
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