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Mittwoch, 12.05.2010:
Revierkämpfe im Milieu
Bremerhaven. Die „Hells Angels“ drängen in die Bremerhavener Rotlichtszene. Ein Mitglied der Gang hat nach Erkenntnissen der Polizei das Bordell „Candyhouse“ übernommen. Sehr zum Missfallen des Motorradclubs „Gremium“, der in der Stresemannstraße eine Filiale unterhält. Zwischen Mitgliedern beider Gruppen ist es bereits zu krawallartigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei ist alarmiert.
Von Rainer Donsbach
Mehr als 20 Mitglieder des „MC Gremium“ hatten sich am letzten Aprilwochenende mit ihren Maschinen vor dem „Candyhouse“ an der Ecke Lessing- und Fritz-Reuter-Straße aufgebaut und eine „drohende Haltung eingenommen“, wie es heißt. Es kam zu Auseinandersetzungen, Steine flogen, eine Scheibe ging zu Bruch. „Offenbar sollte hier ein Gebietsanspruch geltend gemacht werden“, meint Polizeisprecher Uwe Mikloweit. „Die wollten zeigen, wer hier das Sagen hat.“
Das letzte Wort wird darüber noch nicht gesprochen worden sein. Damit die Revierkämpfe nicht eskalieren, haben Kripobeamte mit Vertretern beider Lager Kontakt aufgenommen. „Wir sind im Gespräch“, sagt Mikloweit, „und wir haben allen Beteiligten unmissverständlich klargemacht, dass wir keine weiteren Auseinandersetzungen tolerieren werden. Die Ermittler hätten einen traditionell guten Draht zur Rotlichtszene: „Man kennt sich und man spricht miteinander.“
Den „MC Gremium“ habe man schon seit Jahren im Auge. Deren Vereinsheim in der Stresemannstraße 166 liegt nur einen Steinwurf vom Revier Lehe entfernt. In der Stadt seien die Mitglieder nie sonderlich in Erscheinung getreten. „Gremium“ ist nach eigenen Angaben in Deutschland und weiteren neun Ländern in über 100 Chaptern, wie die Unterorganisationen heißen, organisiert. „Wir haben es nicht nötig, irgendwen zu unterstützen“, lassen sie auf ihrer Internetseite wissen. „Wer uns mit Respekt entgegentritt, wird ebenso behandelt.“
Rivalität zu „Bandidos“
Nach Einschätzungen der Kriminalpolizei ist die Rivalität der „Hells Angels“ zu den „Gremium“-Leuten längst nicht so explosiv, wie zu den „Bandidos“. In Skandinavien lieferten sich beide Gruppen bereits in den 90er Jahren blutige Schlachten, bei denen sogar Bomben und Granatwerfer eingesetzt wurden. Auch in jüngster Vergangenheit gab es bei gegenseitigen Anschlägen Tote und Verletzte.
In Schleswig-Holstein sind beide Banden verboten, ihre Vereinshäuser geschlossen worden. Vor der gestern begonnenen Tagung von Bund und Ländern zum Thema Rock-Kriminalität hat das Land Sachsen-Anhalt sich für ein bundesweites Verbot der „Hells Angels“ ausgesprochen. In dem Konflikt zwischen beiden Gangs geht es nach Erkenntnissen der Polizei meist um die Vorherrschaft im Rotlichtgeschäft oder im Handel mit Drogen.
Das „Candyhouse“ ist bisher von einem alteingesessenen Seestadt-Zuhälter betrieben worden. In den letzten Jahren hatte sich auf der Meile jedoch starke ausländische Konkurrenz breitgemacht. Besonders dominant sind zurzeit die Bulgaren.
„Hells Angels“
Der Motorradclub „Hells Angels“ wurde 1948 in Kalifornien/USA gegründet und ist inzwischen weltweit vertreten. Symbol der martialisch auftretenen „Angels“ ist ein geflügelter Totenkopf, ihr Markenzeichen schwere Motorräder – zumeist Harley Davidsons. Auch in Deutschland werden Mitglieder der „Angels“ mit Straftaten in Verbindung gebracht. Zu Verurteilungen kam es unter anderem wegen Gewalt- und Drogendelikten sowie Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Schutzgelderpressungen.
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