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Freitag, 14.01.2011:
Rangelei bei Razzia im Bordell-Gebäude
Dass Paul K. äußerst allergisch auf Aktionen von Polizeibehörden reagiert, hat seine Ursache in einem Verfahren, das 16 Jahre zurückliegt. Damals wurde er als Hauseigentümer eines Bordellbetriebs an der Kautzstraße in der Moerser Innenstadt wegen Menschenhandels verurteilt – aus seiner Sicht zu Unrecht.
"Seitdem bin ich für Polizeibeamte ein kriminelles Subjekt und werde auch so behandelt", sagte der 59-Jährige gestern vor dem Moerser Amtsgericht.
K. ist auch heute noch Vermieter und Eigentümer eines Hauses an der Kautzstraße, seine Wohnung liegt über dem Club. Entsprechend gereizt habe er reagiert, als er am 27. November 2008 Geräusche vor seiner Wohnungstüre wahrgenommen und – nur mit Leggins, T-Shirt und Strümpfen bekleidet – nachgesehen habe, was sich dort abgespielt habe. Es handelte sich um Polizeibeamte und Beamte der Steuerfahndung, die einen Durchsuchungsbeschluss Bordellbetrieb hatten. Auf seine Frage "Was machen Sie hier?" habe einer der Beamten lediglich mit der Gegenfrage "Wer sind Sie?" geantwortet. Auf seine Aufforderung "Würden Sie bitte dorthin zurück gehen, wo Sie hergekommen sind", habe die Antwort "Ihren Ausweis!" gelautet.
Dieser Dialog sei dann mehrmals hin und her gegangen. Er sei dabei immer lauter geworden und schließlich von einer Polizeibeamtin ohne ein Wort mit einer Hand an die Schulter, mit der anderen Hand an die Kehle gepackt worden. Im Laufe der folgenden Rangelei habe man ihm schließlich vor dem Bauch Handschellen angelegt. Weil er eine solche "Folter" bereits einmal erlebt hatte, habe er sich massiv dagegen gewehrt, dass man ihm die Hände auf dem Rücken fesselte. Später im VW-Bus habe ein Beamter seinen Kopf gegen die Seitenscheibe geknallt.
"Erstunken und erlogen"
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft werden die Vorgänge an jenem Abend im November 2008 ganz anders dargestellt. Danach sei K. von Anfang an darüber informiert worden, dass sich die Beamten aufgrund eines Durchsuchungsbeschlusses in dem Haus an der Kautzstraße aufhalten würden. K. sei zunehmend aggressiver geworden, habe wild um sich geschlagen und einer Polizeibeamtin ein Handgelenk mehrfach gedehnt und gequetscht. Schließlich sei sein Widerstand mittels eines "Blendschlages" gebrochen worden. Der Angeklagte betonte, dass an der Anklage lediglich Zeit, Ort und sein Name korrekt seien. Alles andere sei "erstunken und erlogen".
Die Beamten von Polizei und Steuerfahndung machten sehr unterschiedliche Aussagen, die alles andere als deckungsgleich waren. Als Zeugin sollte noch die Betreiberin des Bordells gehört werden. Sie liegt jedoch im Krankenhaus, so dass das Verfahren erst Anfang Februar fortgesetzt wird.
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