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Samstag, 04.12.2010:
Prostitution: Junge Zuhälter erpressen Schülerinnen
Als er sie auf dem Schulhof angesprochen hatte, funkte es sofort. Er versprach ihr die große Liebe, machte ihr Komplimente und Geschenke, öffnete sein Ohr für ihre kleinen Sorgen. Samantha fühlte sich angenommen und verstanden. Zum ersten Mal war sie verliebt. Das böse Erwachen kam schnell. Der 18-Jährige Junge zwang das Mädchen zum Sex. Da war Samantha gerade einmal elf Jahre alt und schon in die Fänge eines so genannten „loverboys“ geraten. So harmlos und romantisch der Name klingt, mit Liebe hat er überhaupt nichts zu tun.
Aber mit Prostitution. Die so genannten „loverboys“ erschleichen sich zuerst das Vertrauen der Mädchen, sprechen sie auf der Straße an oder im Internet-Chat. Dann zwingen sie die Schülerinnen, mit anderen Männern zu schlafen – oft unter Schlägen. Besonders in den Niederlanden sind diese Zuhälter sehr aktiv. 3000 Mädchen, so schätzt man, wurden ihre Opfer. Eines davon ist Angel. Ihren richtigen Namen will sie nicht nennen. Aber mittlerweile kann sie darüber sprechen wie es sich anfühlt, mit 15 Jahren eine Hure zu sein:
Vor vier Jahren gründete Anita de Wit "StopLoverboys"
„Das schlimmste für mich war aber, wie wenig sich die Freier um mich geschert haben. Ich hatte manchmal Blut am Mund oder ein blaues Auge- aber den Kunden war das egal: Die haben wörtlich gesagt: Ist mir egal ob die geschlagen wird. Ich will drauf – dafür hab ich bezahlt.“
Um Mädchen wie Angel vor solchen Schicksalen zu bewahren, hat die Niederländerin Anita de Wit vor rund vier Jahren den Verein „StopLoverboys“ gegründet. In gewisser Weise ist sie selbst Opfer, denn auch ihre Tochter wurde als Teenager von einem jungen Zuhälter missbraucht.
Zurück in ein normales Leben
Heute kümmert sich Anita de Wit um Mädchen wie Angel, Samantha und Jennifer. Sie können bei ihr wohnen und versuchen, wieder ein normales Leben zu leben. Vor allem aber will ihnen die engagierte Mutter dabei helfen, ein neues Selbstbewusstsein aufzubauen: „Viele Leute glauben, dass ist die Schuld der Mädchen. Nach dem Motto: Sie können doch einfach abhauen von den Jungs, sie müssen sich doch nicht verprügeln lassen. Da kann man doch Hilfe rufen. Aber die Mädchen schämen sich. Sie trauen sich nicht darüber zu sprechen. Denn oft ist es so, dass die Jungs sagen: Wenn Du nicht tust, was ich dir sage, dann tue ich Deinem kleinen Bruder was an.“
Damit die Mädchen künftig besser vorgewarnt sind, hält Anita de Wit Vorträge an Schulen in ganz Holland. Längst ist das Problem mit den jungen Zuhältern auch in Deutschland angekommen. Die Initiative „StopLoverboys“ hat deshalb auch hierzulande mit ihrer Aufklärungsarbeit begonnen. „Loverboys“ sollten, so das Ziel, als das enttarnt werden, was ihr Name so trickreich versteckt, als kriminelle Zuhälter.
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