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Donnerstag, 13.01.2011:
Prostituierte von Gast vergewaltigt!
An einem Juliabend 2010 wird Rainer E. alles zu viel. Seine Schwester und eine seiner drei Ex-Frauen sind gestorben. Der Mann betrinkt sich. Dann fährt er ins Bahnhofsviertel und kauft dort drei Gramm Kokain. Dann vergewaltigt er eine Prostituierte. Deshalb steht er nun vor dem Landgericht Frankfurt.
Kein Mensch ist ein Monster. Aber in vielen steckt eins drin. Die Kunst ist, es unter Verschluss zu halten. Rainer E. hat das nicht geschafft. Ein paar Wochen, bevor er mit seiner Frau nach Spanien ziehen wollte, um dort den Lebensabend zu verbringen, hat er das Monster wieder rausgelassen. Jetzt steht der 55-jährige Rainer E. erneut wegen Vergewaltigung vor dem Frankfurter Landgericht. Angesichts seiner Vorstrafen und der bestialischen Brutalität der Tat kann es gut sein, dass er nie wieder frei sein wird. Eine Sicherungsverwahrung ist im Gespräch.
Es ist ein ruhiger, freundlicher Mann, der dort auf der Anklagebank sitzt. Der personifizierte Biedermann, so scheint es, fast schon ein bisschen langweilig. Ein echter Frankfurter Bub, das hört man, einer, der seit Jahr und Tag eine Autowerkstatt betreibt. Wenn er nicht im Gefängnis sitzt. Am Abend des 21. Juli 2010 wird Rainer E. alles zuviel. Seine Schwester ist gestorben, eine seiner drei Ex-Frauen ebenfalls, seine Ehefrau ist bereits in Spanien und wartet dort auf ihn, und das Tierheim will auch noch von ihm wissen, was mit dem Hund seiner Ex-Frau passieren soll. Rainer E. betrinkt sich.
"Ich bin pervers veranlagt"
Dann fährt er ins Bahnhofsviertel und kauft dort drei Gramm Kokain. Die halten nicht lang. In diesem Zustand gabelt er die Prostituierte T. auf, nimmt sie mit in seine Werkstatt. „Ich bin pervers veranlagt – und zu Hause bekomme ich nicht, was ich will“, soll er zu ihr gesagt haben, bevor sie ein stundenlanges Martyrium mitmacht – dass sie erst beenden kann, als sie gegen 2 Uhr nachts splitternackt auf die Straße flieht. Wenn die Details, die die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift nennt, stimmen, dann ist die Bezeichnung „pervers“ nicht untertrieben.
Rainer E. sagt, er könne sich an nichts erinnern. Es werde aber wohl stimmen, was die Frau sagt. Der Suff. Das Koks. Die Frauen. Es sind diese drei Fallstricke, die im Leben des Rainer E. gespannt sind. Über die er immer wieder fällt, um dann als Monster aufzustehen. Während seiner letzten Haftstrafe hat er eine Therapie gemacht. Er weiß, wie er tickt. Und er weiß, was er lassen sollte, um nicht zum Tier zu werden. Um den ruhigen, freundlichen Mann, der da auf der Anklagebank sitzt, die Oberhand behalten zu lassen. Er weiß es. Aber es nutzt ihm nichts.
Er nennt das, was er getan hat, an einer Frau „herumspielen“. Es ist kein schönes Spiel. „Sei mir nicht böse, aber ich steh’ drauf“, soll er seinem Opfer gesagt haben, bevor er sie quälte.
Zu echter Reue scheint Rainer E. nicht fähig. Wenn er über seine Taten redet, dann klingt das, als rede er über einen völlig anderen Menschen. Ist halt so passiert, irgendwie, wahrscheinlich zumindest. Die Verhandlung wird fortgesetzt. Aber an E’s Wesen wird das nicht viel ändern.
http://www.fr-online.de/frankfurt/als-ein-freundlicher-mann-zum-monster-wurde/-/1472798/5248810/-/index.html
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