Zu dem Mordversuch war es am Samstag um 22.30 Uhr in der Prankergasse gekommen: Zunächst wurde die Prostituierte von dem Unbekannten mit einem Kabel eines Bügeleisens beinahe erdrosselt. Dann fügte der Täter dem Opfer Stich- und Schnittwunden am Hals zu.
Es war der letzte Freier der Frau gewesen: Die 29-jährige Bulgarin empfing den unbekannten Täter im Apartment Nummer 18. Die Prostituierte im Zimmer neben ihr hörte wenig später einen lauten Streit, dann nur noch ein Stöhnen.
Gemeinsam mit einer zweiten Frau klopfte die Slowakin deshalb an die Tür und fragte: „Was ist da los?“ „Sie erhielten aber keine Antwort“, sagte Peter Neubauer von der Mordgruppe des Landeskriminalamtes.
Weil niemand die Tür öffnete, gingen die beiden Frauen und auch die Hausmeisterin in den ersten Stock hinunter. „Sie wollten die Polizei anrufen“, sagte Neubauer. Im selben Moment sah eine weitere Prostituierte durch den Türspion einen Mann aus dem Zimmer kommen. Sie konnte ihn jedoch nur vage beschreiben: etwa 35 Jahre alt, 1,80 Meter groß, schlank, mit schwarz-weißen, nackenlangen Haaren. Bekleidet war der Mann mit einer dunklen Jacke, außerdem trug er eine Baseballkappe mit dem Schild nach hinten.
Zustand kritisch
Das Opfer wurde durch ein Notarztteam erstversorgt und anschließend im LKH sechs Stunden lang notoperiert. „Der Zustand der 29-Jährigen ist nach wie vor äußerst kritisch“, sagte gestern ein Ermittler der Polizei.
Eine sofortige Alarmfahndung der Polizei blieb ergebnislos. „Jetzt erledigen wir die kriminalistische Kleinarbeit“, sagt Alois Eberhart von der Kripo. „Ihr Umfeld ausleuchten, Kontakte überprüfen und Spuren auswerten.“ Das Stanleymesser, das der Täter mitgebracht hatte, wurde sofort untersucht.
Mit der Befragung des Opfers ist lange nicht zu rechen, und die Fahnder hoffen, dass sie überhaupt überlebt: „Die Frau hat sehr viel Blut verloren“, sagt Eberhart.
Die Bulgarin arbeitete seit März im Laufhaus. Bis 23 Uhr erhalten Freier dort Einlass, dann wird die Tür abgesperrt. „Es war das Glück des Täters, dass es kurz vor dem Zusperren war, sonst hätte er nicht so leicht flüchten können“, sagen Ermittler.