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Donnerstag, 27.05.2010:

Miet-Nomande kneift vor Gericht

DATTELN. Für die einen war es ein üblicher Mietstreit, für die anderen eine feindliche Übernahme: Was vor eineinhalb Jahren in einem ländlich gelegenen Rotlicht-Anwesen an der Markfelder Straße passierte, landete als Erpressungs-Anklage vor der zweiten Strafkammer in Recklinghausen.

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer (41 und 49) aus Datteln und Essen. Der eine rund zwei Meter groß, der andere knapp drei Zentner schwer. Letzterer soll sich selbst „Big Buddha“ nennen. Laut Anklage soll das Duo am 28. Dezember 2008 zusammen mit drei unbekannten Mittätern den säumigen Pächter des Landhauses gewaltsam vom Hof gejagt und dessen Bordell sofort übernommen haben. Den kreischenden Gästen in dem Etablissement sollen die mutmaßlichen Täter ein knappes Ultimatum gestellt haben: „Packt eure Sachen und verschwindet!“ Und der Ex-Pächter soll mit dem Satz „Du bist raus!“ vertrieben worden sein. Angeblich soll der Mann im Gerangel brutal verprügelt und sogar mit einem Messer verletzt worden sein. Anschließend soll „Big Buddha“ die Nachtbar weitergeführt haben.
Diese Vorwürfe beruhten in erster Linie auf den Angaben des vermeintlich übel zugerichteten Bordell-Chefs. Weil dieser Mann, der sich wegen ausbleibender Pachtzahlungen als „Mietnomade im Rotlicht-Milieu“ entpuppte, allerdings schon seit Monaten untergetaucht ist und auch nicht zum Prozess in Recklinghausen auftauchte, brach die Anklage schnell zusammen wie ein Kartenhaus: Beide Strafverfahren wurden ohne Auflagen eingestellt.
Dass sie damals vor Ort waren, wollten die beiden Angeklagten gar nicht bestreiten. Der Dattelner fungierte als Helfer des Olfener Landhaus-Vermieters, und „Big Buddha“ war als potenzieller Interessent vor Ort. Beide Männer ließen über ihre Marler Verteidiger Hans Reinhardt und Burkhard Benecken erklären, dass bis auf das Austauschen der Schlösser „absolut nichts passiert“ sei.
Der vertriebene alte Bordell-Chef habe bei der Polizei offenkundig maßlos übertrieben. Sogar den vermeintlichen Messerstich in seinen Bauch soll sich der Mann selbst zugefügt haben. Anlass für den Schlossaustausch sei gewesen, dass bereits kurz nach der Anmietung der Bar durch den Ex-Pächter beträchtliche Schulden (Kaution und Pacht) aufgelaufen seien.
Heute steht das Landhaus leer.



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