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Donnerstag, 10.11.2011:

Menschenhändler sollen Sex-Sklavinnen gequält haben

Drei Männern lockten Frauen aus Ungarn hierher und zwangen sie zur Prostitution — Mehrjährige Haftstrafen zu erwarten


Nürnberg  - Sie hofften auf ein besseres Leben in Deutschland, doch die jungen Frauen aus Ungarn landeten hier im Bordell: Die brutalen Geschäfte moderner Menschenhändler beschäftigen derzeit das Landgericht Nürnberg-Fürth.

In den Vergnügungsvierteln erlebten die Mädchen die Hölle – davon ist Staatsanwalt Thomas Weyde überzeugt. Rund um die Uhr wurden sie eingesperrt, gehalten wie Gefangene. 24 Stunden am Tag mussten sie ihre Körper verkaufen, ihre Einnahmen in Listen notieren und mindestens die Hälfte, teilweise auch ihren gesamten Verdienst abliefern.

Telefone abgehört

Reichten die Tageseinnahmen nicht, wurde „Schadensersatz“ fällig. Die Zahlungsmoral der Frauen dürfte erstklassig gewesen sein: Wagte es eine, zu widersprechen, wurde sie beschimpft und verprügelt, bis sie ohnmächtig wurde. Und auch damit, den Familien in Ungarn etwas anzutun, wurde gedroht. Die angemieteten Modellwohnungen durfte keine verlassen, selbst Lebensmittel wurden gebracht.

Prozesse gegen Menschenhändler sind selten; im letzten Jahr wurden landesweit 470 Ermittlungsverfahren abgeschlossen, heißt es beim Bundeskriminalamt. Doch dort geht man von einem erheblichen Dunkelfeld aus. Die größte Herausforderung der Ermittler: Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und sie zu einer Aussage zu bewegen.

Auch in diesem Fall funktionierte zwischen März und Oktober 2010 das System der Einschüchterung perfekt: Die Frauen befanden sich in einem fremden Land, sprachen weder die Sprache, noch wussten sie, wo sie Schutz finden könnten. Das Gefühl doppelter Bedrohung, einerseits durch die deutsche Polizei, andererseits durch die Zuhälter, ließ sie leiden und schweigen. Dazu kam, dass nicht alle Frauen ahnungslos eingereist waren. Einige wussten, dass sie hier auf den Strich gehen sollten.
 

Kein Erbarmen


Im Herbst letzten Jahres packten einige der Liebesdamen schließlich bei der Polizei aus. Demnach kannten die drei Angeklagten (42, 25 und 27 Jahre), darunter Vater und Sohn, kein Erbarmen: Innerhalb des Trios hatte der 42-Jährige das Sagen.

Ihre grausame Herrschaft über ihre Sklavinnen übten die Angeklagten abwechselnd und in unterschiedlicher Tatbeteiligung aus. Eine wurde im September 2010 telefonisch aufgefordert, auch ungeschützten Geschlechtsverkehr anzubieten – um höhere Einnahmen zu erzielen. Einer weiteren Geschädigten wurde, sollte sie nicht mehr Geld verdienen, damit gedroht, ihr die Rippen zu brechen, den Kopf zu zertrümmern, die Haut abzuziehen.

Ankläger Weyde trägt die Anklage detailliert vor – die genaue Kenntnis der widerlichen Drohungen rührt aus einer aufwendigen Abhöraktion. Die Telefone der Verdächtigen wurden angezapft, die Aufzeichnungen der Gespräche füllen zig Aktenordner.

Ohne jede Regung hören sich die Angeklagten die Vorwürfe des Staatsanwaltes an. Sie sagen kein Wort – doch zumindest müssen die Frauen ihren Peinigern im Gerichtssaal nicht mehr begegnen.

Die drei Angeklagten (Verteidiger: Thomas Dolmany, Anna Lottner und Joachim Harth) gestehen ohne Umschweife, nächste Woche werden sie wegen Menschenhandels, Zuhälterei und Körperverletzung verurteilt werden. Haftstrafen von drei Jahren und zehn Monaten für den 42-Jährigen, zwei Jahren und zehn Monaten für seinen Sohn und zwei Jahren und vier Monaten für den dritten Angeklagten wurden bereits vereinbart.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/menschenhandler-sollen-sex-sklavinnen-gequalt-haben-1.1643070



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