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Freitag, 28.01.2011:

Männer mit Macheten

Erneut hat die Polizei die Rockergruppe ins Visier genommen. Rund 220 Beamte durchsuchten früh am Mittwoch Wohnungen in Dietzenbach und Dreieich. Teils bizarre Waffenfunde gelangen in einem Eros-Center in Frankfurt.

Erneut haben Spezialeinheiten und Beamte der hessischen Polizei einen Schlag gegen die Rockerbande Hells Angels geführt. Bei einer Razzia gegen vier Personen aus dem engeren Umfeld der Gruppe stellten die etwa 220 eingesetzten Beamten jede Menge Waffen sicher. Drei der Herren – zwei 46 und 29 Jahre alte Frankfurter und ein 24-Jähriger aus Dreieich – müssen nun wohl mit einem Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes rechnen. Nicht so ein 51-jährigen Dietzenbacher, bei dem nichts Verbotenes gefunden wurde.

Bei dem 29-jährigen „Prospect“ – also einem Anwärter auf die Vollmitgliedschaft in dem berüchtigten Biker-Club – fand die Polizei eine CS-Gas-Kartusche, zwei Holzschlagstöcke und 300 Gramm Marihuana.

Der 24-Jährige – ein „Hangaround“, also kein Mitglied, sondern eher ein Beifahrer der Hells Angels – hatte da schon mehr zu bieten: ein Einhand- sowie ein Butterflymesser, einen geladenen Revolver, eine Pistole, eine Schreckschusswaffe sowie Munition, zudem noch Pfeil und Bogen, sauber verpackt in einer Sporttasche. Bei diesen beiden wurden die Privatwohnungen durchsucht.

Morgenstern und Tomahawk

Richtig fündig aber wurden die Beamten in den Geschäftsräumen eines Bordells in der Taunusstraße, das von dem 46-jährigen Frankfurter betrieben wird. Das Waffenarsenal, das dort gefunden wurde, beweist auf jeden Fall Kreativität: ein Morgenstern, ein Tomahawk, eine Machete, zwei Elektroschocker sowie zwei Handschuhe mit Bleipulverfüllung im Fingerknöchelbereich. Zudem noch 15 Messer – zwei davon mit Hakenkreuz-Gravierungen.

Das ist ein pikantes Detail, denn den Rockern werden – neben den Vorwürfen der Zuhälterei und des Drogen- und Waffenhandels – immer wieder auch die geistige Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut nachgesagt.

Der 46-Jährige ist in der Szene kein Unbekannter. Er war früher in führender Position beim Charter Westend, dem bedeutenderen der beiden Frankfurter Ortsvereine der Hells Angels, die auch in Offenbach ein Charter betreiben.

Nachdreher zur Dezember-Razzia

Die Razzia am Mittwoch war gewissermaßen der Nachdreher zu der Großrazzia vom Dezember vergangenen Jahres, die ungleich größer war, aber vergleichsweise bescheidene Ergebnisse gebracht hatte. Damals wurden auch mehrere Polizisten vom Dienst suspendiert, die in dem Verdacht stehen, die Hells Angels mit internen Informationen zu bedienen und teilweise auch am Rauschgifthandel mitzuverdienen.

Ein hoher Beamter des Landeskriminalamtes etwa soll für 10.000 Euro Informationen verkauft haben; auch ein Frankfurter Beamtenpaar war des Geheimnisverrats verdächtigt worden. Nach Auskunft von Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, gibt es bei diesen Verfahren noch nichts Neues – gegen die beschuldigten Beamten wird nach wie vor ermittelt. Mit diesen Fällen stünde die jetzige Razzia allerdings in keinerlei Zusammenhang.

Bei den vier Rockern, die jetzt im Focus der Ermittler stehen, habe es im Dezember keine Hausdurchsuchungen gegeben – „aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie Möller-Scheu sagt. Schon seit Monaten liegen den Ermittlern Hinweise vor, dass Hells Angels im Rhein-Main-Gebiet gezielt versuchen würden, Kontakte zur Polizei aufzubauen, um diese für kriminelle Zwecke zu nutzen.

Die neuerliche Razzia steht klar in der neuen, harten Linie, die die Politik gegen die Hells Angels führt. Bislang mit mäßigem Erfolg. Die Rocker gelten seit Jahren als feste Größe, wenn nicht gar als stärkste Macht im Frankfurter Rotlichtmilieu. Das allerdings ist nicht strafbar. Hinsichtlich der anderen Verdächtigungen liegt wenig Handfestes vor.




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