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Freitag, 19.08.2011:

Krieg im Hamburger Rotlicht-Milieu

Es gärt im Milieu. Der Konkurrenzkampf unter Zuhältern und Prostituierten ist so groß wie nie. Fallende Preise und wegbleibende Freier haben den Kiez zum Pulverfass gemacht.


Luden und Huren machen die sinkenden Preise für käuflichen Sex schwer zu schaffen. „Der Markt ist extrem geschrumpft“, sagt ein Zuhälter (35), der namentlich nicht genannt werden möchte. Viele Freier bleiben wegen des reichhaltigen Video- und Live-Chat-Angebotes im Internet lieber zu Hause, als dass sie zu einer Prostituierten gehen. Die Auswirkungen sind beachtlich: Derzeit schaffen in Hamburg schätzungsweise (genaue Statistiken gibt es nicht) 2400 Frauen in Laufhäusern, Clubs, an Bordsteinen oder den rund 350 Modellwohnungen an. Sie machen jährlich einen Umsatz von knapp 85 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 4300 Prostituierte, 800 Modellwohnungen – und etwa doppelt so viel Geld.

Weil die Stücke vom „Rotlicht-Kuchen“ immer kleiner werden, sind die Zuhälter darauf bedacht, ihr Revier (wenn nötig mit Gewalt) zu verteidigen. Hinzu kommt, dass im Milieu keine eindeutige Hackordnung besteht: Einen unumstrittenen Rotlicht-King, der über allen anderen thront, gibt es derzeit nicht. Stattdessen haben drei Gruppen die Macht unter sich aufgeteilt: die Allianz zwischen Hells Angels und Albanern, die deutschen Luden und die Gruppe der Iraner.

Zusätzlichen Sprengstoff liefert derzeit die Verurteilung von Bem-Ho T.: Mehrere Gruppen kämpfen um das „Erbe“ des 32-Jährigen. Der Muskel-Lude muss wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz für sechs Jahre und neun Monate in den Knast. Er hatte im Juli 2009 bei einer Party in der Disco „Edelfettwerk“ (Schnackenburgallee, Eidelstedt) einen 33-Jährigen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt und einem weiteren Mann (40) Joch- und Nasenbein gebrochen. Bem-Ho T. „verfügt“ über mehrere Frauen und Modellwohnungen auf St. Pauli und im Stadtteil Hamm.



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