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Mittwoch, 02.02.2011:
In der Freiburger Rockerszene droht Ärger – Polizei in Alarmbereitschaft
Eingeschlagene Scheiben, zerstochene Reifen: In der Freiburger Rockerszene droht Ärger. Die Outlaws haben eine Niederlassung gegründet – das provoziert die mit ihnen verfeindeten Hells Angels. Die haben in Freiburg ihre Präsenz erhöht. Die Polizei ist alarmiert.
Rund 25 Mitglieder des Motorcycle-Clubs (MC) Outlaws haben einen Freiburger "Ortsverein" gegründet. Jüngst demolierten Unbekannte das Auto des Präsidenten der Outlaws. Die Polizei bestätigt den Vorfall und ist besorgt: "Unsere Strategie heißt null Toleranz", warnt Vize-Kripochef Raoul Hackenjos.
Lange Zeit war die Freiburger Rockerszene nicht besonders auffällig, die Stadt galt als so etwas wie ein weißer Fleck. Doch nun riecht es mächtig nach Ärger. Das Anfang Dezember eingerichtete neue Chapter – so nennen die Motorradgangs ihre "Ortsvereine – der "Outlaws" wertet die Konkurrenz der Hells Angels als Provokation. Als schnelle Antwort sollen die Hells Angels in Freiburg die "Legion 81" gegründet haben, eine Untergruppierung des in Lahr ansässigen Hells-Angels-MC Black Forest. Die Zahlen 8 und 1 stehen für die Position der Buchstaben H und A im Alphabet.
Es riecht nach Ärger
Wie ein gut informierter Insider der Badischen Zeitung berichtet, haben die Hells Angels als Reaktion auf die Outlaws ihre Präsenz in Freiburg stark erhöht. Seit dem Spätjahr 2010 seien die Hells Angels in unterschiedlicher Mannstärke unterwegs, tauchten in Gruppen von fünf bis 40 Mann in der Innenstadt und im Rotlichtmilieu auf. Es seien Hells Angels von verschiedenen Clubs aus verschiedenen Städten mit dabei, was auf ganz besonderen Ärger hindeuten würde, so der Szenekenner.
Mehr als 30 Hells Angels sind mit ihren Maschinen auch vor dreieinhalb Wochen bei der dritten Freiburger Fight Night im Circolo-Zelt auf der Messe aufgeschlagen. Ärger gab es keinen – "nicht einmal ein Straßenverkehrsdelikt", so Raoul Hackenjos, der stellvertretende Leiter der Freiburger Kriminalpolizei. Ganz neu war der Rockerbesuch auch nicht: "Die Hells Angels sind auch bei den vorhergehenden Fight Nights schon dabei gewesen", berichtet Holger Probst, Mitveranstalter des Kampfsportevents.
Eingeschlagene Scheiben und zerstochene Reifen
Am vorvergangenen Freitag soll nun in einem Stadtteil im Freiburger Osten das Auto des Outlaws-Präsidenten mit Baseballschlägern traktiert worden sein. Die Polizei bestätigt diese Attacke. Die Ermittler wissen auch, dass es Bewegung im Freiburger Rockermilieu gibt und sie wissen von der im Internet verkündeten Chapter-Gründung der Outlaws. Vergangene Woche sind nun auch an einem Prostituierten-Wohnmobil, das auf den eigentlich "verkehrsberuhigten" Parkplatz am Zubringer-Süd beim Keidel-Bad zurückgekehrt war, die Scheiben eingeschlagen und die Reifen durchstochen worden. Auch dieser Angriff soll laut BZ-Informant Teil der Auseinandersetzung der Rocker sein. Die Polizei will sich zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern.
Die Ermittler bestätigen aber, dass es in jüngster Zeit Straftaten gegeben hat, die in Zusammenhang mit Gebietsansprüchen stehen könnten. Die verschiedenen Rockergangs haben eine Nähe zum Rotlichtmilieu, in Freiburg versuchen sie offenbar auch einen Fuß im Türstehergeschäft zu bekommen, heißt es. Die Polizei stuft dies aber als Aktivitäten einzelner Gangmitglieder ein: "Man muss da klar unterscheiden zwischen dem Clubinteresse und den Interessen einzelner Mitglieder als Privatpersonen", so Kriminaloberrat Hackenjos. Von Zuständen oder gar einem Rockerkrieg wie in anderen Städten sei man in Freiburg noch weit entfernt. Doch die jüngsten Ereignisse hätten für eine erhöhte Sensibilität gesorgt: "Wir kennen die handelnden Personen, wir gehen offensiv auf sie zu", sagt Hackenjos. Seine Ansage ist jedenfalls klar und deutlich: "Wer Straftaten begeht, wird mit aller Intensität verfolgt."
ROCKERBANDENEs gibt vier große Motorcycling-Clubs (MC): Hells Angels, Outlaws, Bandidos und Gremium. Als fünfte kamen jüngst in Deutschland die Mongols hinzu. Der Bandenkrieg hat in Deutschland schon mehrere Todesopfer gefordert – auch die Auseinandersetzung zwischen Hells Angels und Outlaws, etwa zuletzt in Rheinland-Pfalz. Auseinandersetzungen gab es zuletzt auch in Pforzheim, Rottweil und Villingen-Schwenningen. In Ehrendingen im schweizerischen Kanton Aargau nahe der deutschen Grenze lieferten sich im Juni 2010 Outlaws und Hells Angels eine Schlägerei.
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