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Montag, 24.05.2010:

Immer mehr Fälle von Zwangsprostitution im Norden

Kiel – Das schmutzige Geschäft von Menschenhändlern mit Zwangsprostituierten im Norden floriert. Bundesweit zählte die Polizei im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Verfahren, in Schleswig-Holstein hat sich die Anzahl der Fälle sogar mehr als verdoppelt.

15 Verfahren hat das Landeskriminalamt in Kiel 2009 eingeleitet. Im Jahr zuvor waren nur sechs Fälle bekannt geworden. „Wir haben es im Bereich der sexuellen Ausbeutung mit einem hohen Dunkelfeld zu tun“, sagt Stefan Jung vom LKA. Die Strukturen sind für die Ermittler nur schwer zu durchdringen. An die Hintermänner zu gelangen, bedarf einen immensen Fahndungseinsatzes der Polizei.

Wie in den Vorjahren stammt ein Großteil der 20 Opfer (2008 waren es 14) aus dem europäischen Raum. Mit einem Viertel machen die deutschen Opfer den größten Anteil aus. Bei den ausländischen Opfern dominieren rumänische und bulgarische Staatsangehörige. Mit 25 Verdächtigen konnte das LKA im vergangenen Jahr sechs Tätern mehr als noch 2008 das Handwerk legen. Sie hatten die Frauen in Bordellen und sogenannten Modellwohnungen zum Anschaffen gezwungen. „Die Täter gehen meist äußerst brutal vor“, sagt Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Mit Mehrfachvergewaltigungen, Gewalt und Todesdrohungen würden die Frauen zur Prostitution gezwungen.

Immer häufiger seien es vor allem Frauen aus dem afrikanischen Bereich, speziell aus Nigeria, die von skrupellosen Geschäftsmachern ins Land geschmuggelt würden und hier zur Prostitution gezwungen würden. Bei diesen Opfern beobachte die Polizei zudem besondere Formen der Einschüchterung. „Durch Voodoo-Rituale wird den Opfern eine Schweigegelübde auferlegt, was sie in eine psychische Zwangslage bringt“, sagt Ziercke. Entsprechend problematisch sei es für Frauen, sich aus dem Teufelskreis zu befreien und Hilfe zu suchen. „Da viele illegal im Land sind, haben sie Angst, sich an die Polizei oder an Beratungsstellen zu wenden, obwohl diese gezielt Hilfe leisten können“, sagt der Kieler LKA-Sprecher Jung.

Informationen gibt es im Internet unter http://www.polizei.schleswig-holstein.de



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