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Mittwoch, 12.05.2010:
Freundin mit Lötkolben misshandelt
Es war ein Martyrium für die Krankenschwester. Ihr Freund war Mitglied einer Rockerbande und misshandelte die Frau auf brutalste Weise. Er warf mit Scheren auf sie, bedrohte sie mit einem Elektroschocker und stach ihr einen Lötkolben in den Oberschenkel.
Ein 13-stündiges Martyrium musste eine 38 Jahre alte Frau im vergangenen Dezember über sich ergehen lassen: In der gemeinsamen Wohnung wurde die Krankenschwester von ihrem Freund „auf unglaubliche Weise misshandelt“. Dies betonte die Schöffenrichterin gestern, nachdem sie den 37 Jahre alten Werner H. (Name geändert) wegen insgesamt 18 vorsätzlicher Körperverletzungen - davon fünf gefährliche - zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt hatte.
In der Nacht auf den 16. Dezember 2009 war die Gewalt in der Beziehung laut Urteil eskaliert. Als die Freundin in den Augen des Mitglieds einer Untergruppe der Hells Angels gegen eine der zahlreichen von ihm aufgestellten Regeln verstoßen hatte, rastete der Mann aus. Unter anderem drückte der Glas- und Gebäudereiniger dem Opfer eine Gliederkette ins Gesicht, warf mit Scheren auf sie, bedrohte sie mit einem Elektroschocker und stach ihr einen Lötkolben in den Oberschenkel.
Er versetzte die Krankenschwester auch durch seine verbalen Drohungen in Todesangst. So teilte er ihr mit, dass Frauen bei den Hells Angels nichts zu sagen hätten und sie sich wünschen würde, aus dem Fenster gesprungen zu sein, wenn er mit ihr fertig sei. Erst am Mittag des 16. Dezember gelang der Frau die Flucht aus der Wohnung. Die alarmierte Polizei stürmte mit acht Beamten die Wohnung und nahm den während der Gerichtsverhandlung in Fußfesseln vorgeführten Mann fest. Das Opfer erlitt neben einem Nasenbeinbruch zahlreiche weitere Verletzungen. Bis heute kann die 38-Jährige den Zeigefinger der rechten Hand nicht richtig bewegen. Doch diese Schreckensnacht war nur der Gipfel der Gewalttätigkeiten in der Beziehung. Zu ersten Ohrfeigen war es bereits im Januar 2009 gekommen. Zuvor hatte der bislang nicht wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Werner H. seine Arbeitsstelle nach einer Knieoperation verloren. Auch konnte er kein Motorrad mehr fahren, nachdem ihm aufgrund einer Trunkenheitsfahrt mit 3,5 Promille der Führerschein abgenommen worden war. Laut Urteil isolierte sich der 37-Jährige von der Umwelt und wurde zunehmend aggressiver.
Bis zum Dezember wurde das Opfer "nahezu täglich in erniedrigender Weise mit Worten traktiert", so die Amtsrichterin. Doch die Krankenschwester schaffte es nicht, sich von ihrem Peiniger zu trennen. Stattdessen versuchte sie, sich strikt an die Regeln des Rockers zu halten. Ein psychiatrischer Sachverständiger ging zwar von einer Persönlichkeitsstörung in Form einer Borderlineerkrankung aus. Diese sei jedoch nicht so gravierend, dass von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen werden müsse. Der Angeklagte selbst hatte den Großteil der Übergriffe eingeräumt, jedoch behauptet, sich aufgrund des Alkohol- und Drogenkonsums nicht mehr an die Einzelheiten der Nacht im Dezember erinnern zu können.
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