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Samstag, 10.12.2011:
Freiburg / Ein Arzt soll Patientinnen heimlich nackt fotografiert haben
Perfider Vertrauensmissbrauch: In einer kleinen Gemeinde im nördlichen Breisgau wird ein Arzt verdächtigt, in seiner Praxis zahlreiche Patientinnen heimlich nackt fotografiert zu haben.
FREIBURG. Ein Arzt ist jemand, zu dem man im Idealfall ein gutes Vertrauensverhältnis hat. In einer kleinen Gemeinde nördlich von Freiburg hat ein Mediziner dieses Vertrauen offenbar schamlos ausgenutzt. Er soll Patientinnen, die während der Behandlung teilweise ausgezogen waren, heimlich fotografiert haben. Wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier auf Anfrage der Badischen Zeitung bestätigt, erhielt die Polizei im Dezember 2010 den ersten Hinweis von einer Frau. Sie habe bei der Untersuchung durch den Arzt ein komisches Gefühl gehabt und ein Klicken gehört, das von einer Kamera gekommen sein könnte. Die Polizei begann zu ermitteln und hatte im April diesen Jahres genug Hinweise, um das Haus des Arztes durchsuchen zu können.
Dabei fanden die Beamten eine bereits gelöschte Festplatte, deren Bilddateien sich jedoch wieder herstellen ließen. Zu sehen bekamen die Kriminalpolizisten Bilder von mehr oder weniger unbekleideten Frauen, die der Arzt behandelt hatte. Die Namen von 10 bis 15 Frauen kennt die Polizei bereits und hat sie zum Teil auch schon vernommen. Der Beschuldigte gab laut Maier an, die Bilder nur für sich gemacht zu haben, was dennoch strafbar ist. Eine Veröffentlichung im Internet konnte Maier ausschließen. Ebenso gebe es keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe. Die Praxis des Mediziners ist seit April geschlossen.
Entzug der Approbation droht
Laut Maier hat die Polizei nach Abschluss ihrer Ermittlungen die Akten der Staatsanwaltschaft Freiburg vorgelegt. Die prüft derzeit, ob sie Anklage erhebt oder einen Strafbefehl beantragt. Letzteres würde bedeuten, dass es zu keiner öffentlichen Verhandlung kommt, falls der Beschuldigte keinen Einspruch gegen den Strafbefehl einlegt. Auch in diesem Fall jedoch droht dem Mann eine Freiheitsstrafe auf Bewährung von bis zu einem Jahr pro Fall.
Laut Maier könnte eine mögliche Folge der Bewährungsauflage sein, dass der Beschuldigte seinen Beruf nicht mehr ausüben darf und seine Approbation zurückgeben muss. Der Anwalt des Beschuldigten verwies auf BZ-Anfrage auf das laufende Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten und wollte keine weiteren Angaben machen.
"Das ist ein ganz schlimmer Vertrauensbruch, den der Kollege offenbar begangen hat", sagt eine Ärztin aus der Region und hofft, dass der Mann, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, seine Approbation entzogen bekommt.
Betroffene Frauen, die solche oder ähnliche Erlebnisse machen mussten, können sich an Frauenhorizonte wenden. Die Anlauf- und Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt ist telefonisch unter 0761/ 2858585 Tag und Nacht zu erreichen. Sie bietet telefonische und persönliche Beratung unter Wahrung der Schweigepflicht an.
zu finden in der Badischen Zeitung von: Martina Philipp
http://www.badische-zeitung.de/ein-arzt-soll-patientinnen-heimlich-nackt-fotografiert-haben
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