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Freitag, 09.07.2010:

Frauen wie Sklavinnen gehalten

Konstanz.  Sie mussten sich "Nadja", "Barbie" oder "Jasmin" nennen und wurden von ihren Zuhältern wie Sklavinnen gehalten. Nun stehen in Konstanz fünf Männer vor Gericht. Zu den Vorwürfen äußern sie sich bisher nicht.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat gestern vor dem Landgericht Konstanz ein Prozess gegen eine Zuhälterbande aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis begonnen. Die fünf Angeklagten im Alter zwischen 20 und 38 Jahren sollen insgesamt 34 Frauen mit roher Gewalt zur Prostitution gezwungen und in größtmöglicher wirtschaftlicher und psychischer Abhängigkeit gehalten haben. Die jungen Frauen sollen behandelt worden sein wie Sklavinnen: Von erzwungenen Brustvergrößerungen ist die Rede, von Freiheitsentzug und eintätowierten Zeichen der "Besitzer".

Vor einem Jahr war es im gesamten süddeutschen Raum zu Razzien im Rotlicht-Milieu gekommen. Auch zwei Bordelle in Villingen und Schwenningen wurden durchsucht. Die Ermittler stellten hohe Bargeldbeträge, teure Uhren und Schmuck, Elektronikartikel und Waffen sicher. Mehrere hochwertige Fahrzeuge aus dem Fuhrpark der Verdächtigen wurden konfisziert. Zwei Mitgliedern der Bande, darunter der angebliche Drahtzieher, gelang es, sich ins Ausland abzusetzen.

Sie und die fünf Angeklagten sollen der Führungsetage einer rund 40 Mann starken Abteilung der Türstehervereinigung "United Tribuns" angehören (siehe Infokasten). Die Staatsanwaltschaft wirft der Bande Menschenhandel, Zuhälterei, Körperverletzung und räuberische Erpressung vor. "Mit systematischer Gewalt sollte der Wille der Frauen gebrochen werden, um sie gefügig zu machen und ausbeuten zu können", sagte Oberstaatsanwalt Christoph Hettenbach. Dabei seien die zum Teil minderjährigen Frauen in menschenverachtender Weise gedemütigt und misshandelt worden.

So sei eines der Opfer zu einer Brustvergrößerung gezwungen worden, um den "Marktwert" zu steigern, andere hätten sich gesundheitsschädliche Bräunungsmittel spritzen lassen müssen. Sie hätten auch bei schlechtem Gesundheitszustand arbeiten müssen - und wer nicht "spurte", sei zum Teil schwer misshandelt, in einem Fall sogar zweimal vergewaltigt worden.

Fast allen Prostituierten seien sämtliche Einnahmen bis auf ein geringes Taschengeld abgenommen worden. Zur Überwachung der Frauen aus den In- und Ausland wurden Videokameras eingesetzt. Sie wurden in den Bordellen von der Außenwelt abgeschottet, private Kontakte zu ihren Familien oder anderen Männern seien streng verboten gewesen. Einige der Prostituierten sollen sogar mit dem Namen ihrer "Besitzer" tätowiert worden sein. Angeworben wurden die Opfer hauptsächlich in Diskotheken. Die Angeklagten spielten den Frauen die große Liebe vor und lockten laut Staatsanwalt Hettenbach manche mit Heirat.

Mit hohen Ablösesummen habe man die Frauen vom Aussteigen aus dem Milieu abgehalten. Ihre Einsatzorte in Bordellen im gesamten süddeutschen Raum, unter anderem in Stuttgart, Aalen, Waiblingen, Sindelfingen und Ulm sollen die Angeklagten über deren Kopf hinweg nach Absprachen bestimmt haben. Die meisten Frauen waren in den beiden Etablissements in Villingen und Schwenningen eingesetzt.

Die Opfer leiden nach Angaben ihrer Anwälte bis heute unter den Taten. "Meine Mandantin ist heute fast seelenlos", sagte einer der Nebenklagevertreter am Rande der Verhandlung. Die Angeklagten verfolgten den Prozess regungslos - und schwiegen. Zu Aussagen seien sie erst bereit, wenn sie die Bedingungen einer Absprache kennen, die gestern intern stattfand. Deren Ergebnis wird am Montag bekannt gegeben. Zwei der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, die übrigen befinden sich auf freiem Fuß.



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