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Donnerstag, 08.07.2010:

Frauen als Sexsklavinnen — Zuhälterbande vor Gericht

(Konstanz/dpa) Sie mussten sich „Nadja“, „Barbie“ oder „Jasmin“ nennen und wurden wie Sklavinnen gehalten: Fast zwei Dutzend junge Frauen sind von ihren Zuhältern in Villingen-Schwenningen mit brutaler Gewalt zur Prostitution gezwungen worden.

Dafür muss sich die fünfköpfige Bande seit Donnerstag vor dem Konstanzer Landgericht verantworten. Den Männern im Alter von 20 bis 36 Jahren wird Menschenhandel, Zuhälterei, Körperverletzung und räuberische Erpressung in 34 Fällen zur Last gelegt. Hauptschauplätze waren zwei Bordelle in der Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Frauen wurden aber auch in Aalen (Ostalbkreis), Freiburg, Sindelfingen oder Pirmasens (Rheinland-Pfalz) eingesetzt.

Die Opfer leiden nach Angaben ihrer Anwälte noch heute unter ihrer Vergangenheit in einer abgeschotteten Welt, ohne Kontakt zu Freunden und Verwandten, in ständiger Angst vor Schlägen, Drohungen und Vergewaltigung. Die meisten brauchen psychologische Betreuung. „Meine Mandantin ist heute fast seelenlos“, sagte einer der Nebenklagevertreter am Rande der Verhandlung. „So eine Geschichte geht an keiner spurlos vorüber“, pflichtete ihm eine Kollegin bei.

Oberstaatsanwalt Christoph Hettenbach bestätigte die anhaltenden Qualen der Frauen. „Sie leiden unter Depressionen und Schlafstörungen“, sagte er bei der Verlesung der Anklage. „Mit systematischer Gewalt sollte der Wille der Frauen gebrochen werden, um sie gefügig zu machen und ausbeuten zu können.“ In den Bordellen wurden sie „lückenlos mit Videokameras überwacht.“ Den Freierlohn mussten sie abgeben. Das Geld legte die Bande in Immobilien und Luxusautos an.

Die straff organisierte Zuhältergruppe zwang die Frauen sogar zu Schönheitsoperationen, um den Marktwert zu steigern, wie es in der Anklage ferner hieß. Angeworben wurden die Opfer, die teils unter 21 Jahren waren, in Diskotheken. Die Angeklagten spielten den Frauen die große Liebe vor und lockten manche mit Heirat, wie Hettenbach weiter sagte. Die Namen ihrer jeweiligen Zuhälter wurden ihnen tätowiert. Opfer, die aussteigen wollten, mussten wie im Profi-Fußball eine Ablöse zahlen. Andere wurden für beträchtliche Summen an Freier verkauft.

Die Angeklagten verfolgten äußerlich regungslos den Prozessauftakt. Zu den Vorwürfen wollten sie sich zunächst nicht äußern. Zwei von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Die übrigen befinden sich auf freiem Fuß. Der führende Kopf der Bande hat sich ins Ausland abgesetzt. Der Prozess geht am kommenden Montag (12. Juli) weiter.

Die Bande ist der Anklage zufolge aus der Türstehervereinigung „United Tribuns“ hervorgegangen, eine Art Rockerclub mit bundesweit 350 Mitgliedern und allein 40 in Villingen-Schwenningen. Das Gericht hatte befürchtet, dass Angehörige dieser gewaltbereiten Szene den Prozess stören könnten und ließ deshalb alle Beteiligten und Zuschauer erst nach peniblen Kontrollen in den Verhandlungssaal.



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