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Donnerstag, 05.05.2011:
Die sexuellen Versprechungen blieben nur leere Worte
Die Suche mancher Männer nach Sex haben sich ein 46-Jähriger aus einer Umlandgemeinde von Lahr und seine 24 Jahre alte Verlobe zunutze gemacht, um kräftig abzukassieren.
LAHR/OFFENBURG. Erst lockte die langhaarige Frau die Opfer über Kontaktbörsen mit sexuellen Versprechungen, dann prellten sie die Männer wie von vornherein beabsichtigt bei verabredeten Treffen in Lokalen um ihr Geld. In allen Fällen blieben die erhofften sexuellen Vergnügungen unerfüllter Wunschtraum. Strafrichter Wolfgang Knopf verurteilte die geständige Frau gestern wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Das Strafverfahren gegen den Mann wird weitergeführt.
Von Februar bis Mitte März vergangenen Jahres kam laut Anklage das Pärchen überein, sich auf Kosten sexhungriger Männer Geld zu verschaffen: Die Frau stellte Fotos und eindeutige Sexangebote in mehreren Kontaktbörsen ins Internet. Auf die Angebote konnten Männer dann bieten oder einen Festpreis vereinbaren. Hatte ein Mann das Höchstgebot abgegeben oder sonst den Zuschlag erhalten, nahmen die Beteiligten Kontakt auf und vereinbarten Treffen in Lokalitäten in Lahr oder Kehl. So kam es am 28. Februar zu einem Treffen zwischen der Frau und einem 29-jährigen Schweizer in einem Lahrer Lokal. Die Frau forderte den verabredeten Preis von 350 Euro im Voraus. Nachdem der Mann das Geld übergeben hatte, verschwand sie unter einem Vorwand. Eine billige Handtasche aus China, gefüllt mit Zeitungspapier, ließ sie zurück. Der geprellte Freier musste unverrichteter Dinge die Rückreise an den Bodensee antreten.
Am 2. März traf es einen Betriebsleiter aus Lahr. Der hatte zwar keinen langen Anfahrtsweg bis zum Treffpunkt in einem Lokal der Stadt, aber genauso wenig Glück. Nach der Vorkasse von 350 Euro gab die Frau vor, die Hände waschen zu wollen. Danach waren das Geld, die Frau und das erhoffte Vergnügen weg. Eine Jacke aus dem Billigsegment, die sie zurückgelassen hatte, um bei ihrem Verschwinden keinen Verdacht zu erregen, blieb ein schwacher Trost.
Am 5. März dieselbe Masche. Angereist in ein Lokal in Lahr kam ein 35-Jähriger aus Württemberg. Am Ende hatte er 200 Euro weniger, die sexuellen Erwartungen blieben unbefriedigt. Am 10. März ging dem Pärchen ein 40-Jähriger aus Bayern auf den Leim. Beim Treff in Kehl zahlte er seinen Auktionsbetrag von 175 Euro. Dafür gab es statt den versprochenen zwei Stunden hemmungslosen Sex nur Frust: Frau und Geld waren weg.
Der geprellte Betriebsleiter aus Lahr wollte die Sache nicht auf sich sitzen lassen und stellte – unter veränderten Daten und mit der Polizei – im Internet einen neuen Kontakt zu der Dame her, die immer noch ihre Dienste anbot. Diesmal dauerte das vereinbarte Treffen freilich nur kurz: Die 24-Jährige traf gegen 17 Uhr mit dem Auto in Offenburg ein. Ihr Verlobter hatte sich als Fahrer betätigt. Minuten später schnappte die polizeiliche Falle zu.
Vor dem Amtsgericht gab die angeklagte Frau alles zu – aber nur für ihre Person. Im übrigen und insbesondere zur Beteiligung ihres neu Verlobten verweigerte sie jede Auskunft. Die geprellten Männer waren als Zeugen aus allen Richtungen angereist und hatten alle dasselbe zu klagen: Sobald sie das Geld im Voraus bezahlt hatten, war von der Frau nichts mehr zu sehen. Mal sei ein Handyanruf gekommen, so dass sie sich unter einem Vorwand aus dem Raum entfernen konnte, mal sei sie zur Toilette gegangen und nicht mehr zurückgekehrt. Einig waren sich alle nur darin, dass sie abgezockt worden waren. Wegen des unsittlichen Anlasses fühlte sich allerdings nicht jeder ganz frei von Mitverschulden.
Strafrichter Wolfgang Knopf bekannte freimütig, dass er vom Internet überhaupt nichts verstehe. Über dessen Gepflogenheiten konnte er nur den Kopf schütteln. "Ich zahle doch nichts vorher, erst will ich doch mal die Leistung sehen!" Anders als der Verteidiger Wolfgang Reichert aus Lahr sah er einen gewerbsmäßigen Betrug als gegeben an. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Komplizen wird fortgesetzt. Nächster Termin ist am 18. Mai um 14.15 Uhr.
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