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Donnerstag, 29.04.2010:

Das Geschäft mit Edel-Huren

Wenn wir den pikanten Vernehmungs-Protokollen der Pariser Polizei Glauben schenken dürfen, dann sind französische Fußball-Nationalspieler um den Bayern-München-Star Franck Ribéry den Fummelkünsten der vollbusigen Lolita Zahia D. erlegen. Für 1000 bis 2000 Euro pro Sitzung hat die Tochter marokkanischer Einwanderer die Kicker verwöhnt. Abzüglich der 30 Prozent für ihren mutmaßlichen Zuhälter soll sie bis zu 20000 Euro im Monat verdient haben. Wie läuft eigentlich hierzulande das Geschäft mit Edelhuren? Ein Streifzug durch die Berliner Szene.

Einfach entspannen. Mehr wollte Hansi T. (51) nicht. Hinter ihm lag ein Neun-Stunden-Meeting mit Geschäftsleuten aus Japan. Doch nicht in das Bett seines Hotels, sondern in das von Tamara (28) ließ er sich fallen, einer Blondine mit Wespentaille, die ihn die ganze Nacht lang entspannte. Für 1500 Euro.

"Meine Damen bieten Illusionen auf Zeit: Sie gucken hinter die Stirn eines Mannes und erfüllen seine Fantasien", sagt Madame Odette vom gleichnamigen Club in Charlottenburg. Wer will, kann hier auch die schöne Aussicht über die Spree genießen. Doch die meisten suchen etwas anderes. Während auf dem Hofparkplatz Porsche und Rolls Royce sich nahekommen, genießen ihre Besitzer den Sonnenuntergang in trauter Zweisamkeit mit einer Dame.

Bei "Odette" werden diese Damen wie Ladys behandelt. Dafür sorgt Madame selbst. Und wie Ladys sehen sie auch aus. Nadine zum Beispiel: Seidenbluse, Perlenkett. Tagsüber studiert sie Medizin, und einmal in der Woche vertieft sie bei "Odette" ihre Anatomiekenntnisse. Dass sie hier sogar mal ihren Gynäkologen traf, wundert wenig, wenn man weiß, dass vier von fünf Männern schon im Bordell waren. "Ich sagte artig ,Guten Tag!’", erzählt Nadine, "er lächelte, und wir wussten beide, dass keiner von uns jemals über diese Begegnung reden würde."

Billig ist das Vergnügen nicht. Eine halbe Stunde mit Catrin, Norma oder Angela kosten mindestens 120 Euro. Aber wer gibt sich schon damit zufrieden, wenn er sich zwei oder drei Stunden leisten kann. Ein junger Mann aus München kam mal um 10 Uhr morgens und verließ das Haus um Mitternacht.

Walter Portegies vom "Bel Ami" in Charottenburg ist 50 und seit 30 Jahren im Geschäft. Als Manager eines der exklusivsten Erotikclubs Deutschlands versteht er sich als Mittler zwischen den Geschlechtern. "Diskretion ist das absolute Muss in meinem Beruf. Ich vergesse schnell. Ein falsches Wort zur falschen Zeit am falschen Ort und der Gast kommt niemals wieder. Wir haben sogar einen eigenen Fahrservice, denn wer garantiert, dass der Taxifahrer, der Herrn XY zu uns bringt, nicht gleich die Zeitung informiert."

Die ehemalige Fabrikantenvilla aus den 1920ern, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein Bordell für gehobene Ansprüche ist, könnte viel erzählen: von Helmut Newtons Erotik-Fotos, von Liebesgeschichten auf Zeit, von der Wahl zum edelsten Club Deutschlands.

Berühmt ist auch der Escort-Service des "Bel Ami". Ob eine Woche Segeltörn in der Karibik, ein Wochenende in den Karpaten, ein paar Tage Tauchurlaub am Roten Meer – wer es sich leisten kann, verzichtet ungern auf die Begleitung einer Schönheit.

Aber Diskretion. Daran hält sich auch Eve. Die 25-jährige ist Bardame und Chefin der Tagesschicht. "Wer nicht gesehen werden will, kann durch einen privaten Eingang kommen und bleibt für alle unsichtbar." Sie liebt ihren Beruf. "Hier ist alles familiär. Man kennt sich, man redet und man feiert gemeinsam." Eine Flasche des besten Whiskys kostet 12000 Euro.

An der Bar sitzen vier Damen. Auf den ersten Blick unnahbar, auf den zweiten zugänglich, auf den dritten – Mann wird sehen. Pro Schicht stehen 15 bis 20 Damen zur Verfügung. Dass sie kein Pauschalangebot sind, sondern First Class, ist nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören: Sie unterhalten sich über die Kanzlerin und ihren Führungsstil, über Westerwelles Arroganz und darüber, was wird, wenn Rot-Grün die Regierung in NRW stellt. Wer hier arbeitet, muss über eine gute Allgemeinbildung verfügen und Fremdsprachen sprechen. Zum Beispiel Chloé: Sie sagt Eyjafjallajökull, ohne zu stocken, und erklärt dem Mexikaner an der Bar auf Spanisch, was demnächst in der Oper gegeben wird.

"Die meisten Damen sprechen mindestens zwei Fremdsprachen, sind an Politik ebenso interessiert wie an Kunst", sagt Walter Portegies. Nur über ein Thema werde selten gesprochen: über die Arbeit – die bleibe meist vor der Tür.

Ins "Bel Mai" kommt, wer entspannen will. Aber: "Sex steht nicht immer an erster Stelle", sagt Portegies. "Die meisten lieben die lockere Atmosphäre – und dass sie nicht angesprochen oder animiert werden. Es gibt Gäste, die setzen sich erst einmal in einen der englischen Clubsessel und lesen in Ruhe ihre Finanzzeitungen. Danach vielleicht eine Runde im Pool, ein entspannender Saunagang und anschließend – aber das ist jedem selbst überlassen."

Die Damen dürfen generell keinen Mann ansprechen. Ein wenig flirten ist erlaubt, den Rest übernimmt der Chef des Hauses: Er stellt dem Herrn die Dame seiner Wahl vor und verschwindet dann dezent.

"Wir haben 80 Prozent Stammgäste, und so manche Party geht bis zum nächsten Morgen", verrät Walter Portegies, schaut in Spiegel und rückt die rote Krawatte zurecht, bis sie wieder den Anforderungen des Clubs gerecht wird. "Manchmal fährt jemand von uns schnell zum Bäcker und schmiert ein paar Frühstücksbrötchen, bevor die letzten Gäste nach Hause oder in die Firma gehen."

Dass dabei auch schon mal 20000 bis 30000 Euro Kosten entstehen, sei nur am Rande erwähnt. Portegies versteht sein Geschäft als totale Dienstleistung. Stress haben seine Gäste genug. Und wer sich nur einmal im Monat entspannen will, der soll das voll und ganz genießen.



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