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Freitag, 13.05.2011:

Brutale Details eines harten Geschäfts

Villingen-Schwenningen – Rund 230 000 Fernsehzuschauer verfolgten am Mittwochabend den Beitrag im SWR-Fernsehen über Machenschaften in der Rotlichtszene. Der Beitrag „Die Menschenhändler von nebenan“ tauchte tief in das Rotlichtmilieu ein und gewährte einen schockierenden Einblick in die brutale Welt der Zwangsprostitution, Zuhälterei und des Menschenhandels.


Nicht in einer Großstadt. Sondern mitten im Schwarzwald, in Villingen-Schwenningen.

Im Mittelpunkt der Reportage stand der Boss der von ihm selbst gegründeten Bodybuilder- und Türsteherorganisation „United Tribunes“, Armin C. alias „Boki“. Er hat zusammen mit mehreren Freunden seit 2004 verschiedene Bordelle, darunter das „Laufhaus“ in Villingen und das „La Notte“ in Schwenningen, betrieben. Dabei sollen Prostituierte gedemütigt, ausgebeutet und zum Teil schwer misshandelt worden sein. Während bei einer Razzia im Sommer 2009 einige dieser „Geschäftspartner“ festgenommen und etliche Beweismittel wie Luxusautos, Schmuck und Bargeld sichergestellt werden konnten, konnte sich „Boki“ seiner Festnahme entziehen. Er setzte sich, zusammen mit seinem Cousin „Dado“ rechtzeitig nach Bosnien ab. Gewarnt von einem Polizeibeamten, der in die Vorbereitungen der Razzia involviert war. Dieser angebliche Sachverhalt geht zumindest aus dem Filmbeitrag hervor.

Der Fernsehzuschauer bekam einen Einblick in die umfassende Polizeiarbeit. „Die haben sich wie Könige aufgeführt. Wir wussten, dass etwas nicht stimmt, aber wir konnten ihnen nie krumme Geschäfte nachweisen“, erklärten die Kriminalhauptkommissare Gerhard Walter und Armin Hartwig von der Kriminalpolizei. Sie arbeiten seit 2009 an diesem Fall. Offenbar aufgrund einer Dreistigkeit von „Boki“ selbst kamen die Ermittler den krummen Geschäften auf die Spur. Ein Ferrari für 112 000 Euro, den der Ex-Boxer und Kriegsflüchtling aus Bosnien bar bezahlt hat, brachte die Beamten auf die richtige Spur.

Während die Verteidigerin von „Boki“, die St. Georgener Rechtsanwältin Sabine Pfaff-Mrokon, in dem Beitrag bemüht ist, ihren Mandanten in einem positiven Licht dastehen zu lassen („Er ist zwar Zuhälter, aber keiner, der die Frauen nur verprügelt und ankettet. Sonst würden die Frauen ja nicht so lange zu ihm halten“), schildern zwei ehemalige Prostituierte ganz anderes. Sie berichten in schockierender Weise von Demütigung, Gewalt, Ausbeutung und Psychoterror bis hin zur Gehirnwäsche. Eine andere Prostituierte berichtete, es gäbe Gerüchte über „Bäume zählen“. So würde bezeichnet, wenn die Prostituierten im Stadtwald „bis zur Bewusstlosigkeit gegen Bäume geschleudert werden“.

Während in Villingen-Schwenningen die Ermittlungen bis heute noch nicht abgeschlossen sind, lassen es sich „Boki“ und „Dado“ offenbar gut gehen. In einem kleinen Dorf in Bosnien leben die beiden, obwohl mit internationalem Haftbefehl gesucht, völlig unbehelligt. Sie fahren „von Freunden“ gesponserte Luxusautos und haben dort bereits wieder einen Ableger der „United Tribunes“ gegründet. Und betreiben eine Boxschule. „Wir kämpfen uns so durch“, grinst „Dado“ in die Kamera. Zu den Vorwürfen aus Deutschland nehmen sie allerdings keine Stellung.

In Villingen-Schwenningen sind die beiden Bordelle „Laufhaus“ und „La Notte“ übrigens nach wie vor in „Bokis“ Besitz. Der Filmbeitrag endet mit einem Hinweis der Autorin, dass die Stadt „bemüht ist, den Betreibern die Konzession zu entziehen“. Allerdings sei das nicht so einfach. Außerdem würden die Betreiber inzwischen die Steuerschulden zurückzahlen. „Und das geht nur, wenn die Geschäfte weiterlaufen.“



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