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Donnerstag, 15.07.2010:

Bei Menschenhandel nur Gehilfe

In dem scheußlichen Geschäft um Menschenhandel und Prostitution spielte er nur eine kleine Nebenrolle. Es war hauptsächlich die Bekannte des Bergkameners – sie stammt ebenfalls aus Nigeria – die in ihrem Heimatland vier junge Frauen unter falschen Versprechungen nach Deutschland schickte und hier zur Prostitution zwang. Daher kam der in Bergkamen wohnende Mann gestern bei der Urteilsverkündung im Dortmunder Landgericht auch weitaus günstiger davon als seine Landsmännin: Während die Frau wegen bandenmäßigen Einschleusens von Menschen, Menschenhandel und Zuhälterei sechs Jahre ins Gefängnis muss, sah die 31. Große Strafkammer den Mann aus Bergkamen nur als Gehilfen an: Wegen Beihilfe verhängte die Kammer für den 47-jährige eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Nachdem der Mann bereits sechs Monate in U-Haft gesessen hatte, hob die Kammer den Haftbefehl auf: Der 47-Jährige konnte nach Hause gehen und dort auf seine Einberufung zum Haftantritt warten.

Dabei, so sein Verteidiger Matthias Meier, hat er gute Chancen, bald in den Offenen Vollzug zu wechseln: also tagsüber in der Freiheit zu arbeiten und nur nachts zum Schlafen ins Gefängnis zurückzukehren. Das Gericht hielt es nach einer neun Monate dauernden Verhandlung für möglich, dass der Bergkamener tatsächlich nichts von den perfiden Tricks gewusst hat, mit denen die Hauptangeklagte in Nigeria von Frühjahr bis Oktober 2008 mindestens vier junge Afrikanerinnen nach Dortmund lockte und dann hier zur Prostitution zwang: Die Mädchen legten alle einen Voodoo-Schwur ab. Sie schnitten sich die Haare ab und schworen, nie wegzulaufen, auch nie jemandem zu erzählen, was sie später in Dortmund taten.

Hier merkten sie schnell, dass sie nicht – wie versprochen — als Kindermädchen arbeiteten. Das in Clubs verdiente Geld mussten sie an die Hauptangeklagte abgeben. Dass der Bergkamener dachte, die Mädchen schafften freiwillig an, „war ihm nicht zu widerlegen“, so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig. Inzwischen haben alle vier Frauen den Ausstieg geschafft. Was bleibt, ist die Angst. Angst, weil sie den Voodoo-Schwur gebrochen haben.



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