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Sonntag, 05.02.2012:
Barmbek: Geständnis und Tränen im Rotlicht-Prozess
Ungewöhnlicher Auftakt für einen Milieu-Prozess: Der Todesschütze legte weinend ein Geständnis ab. Yasser B. (32) hat zwei Männer erschossen. Die Opfer: Zuhälter Mehdi A. (25) und Türsteher Majid P. (30).
Beide sollen den Angeklagten zuvor zwei Wochen lang massiv bedroht haben. Es ging um eine Lappalie: Yasser B., Besitzer der Shisha-Bar „Chill Inlounge“ an der Hamburger Straße, soll angeblich den Sohn des Zuhälters einen „Hurensohn“ genannt haben. Dafür sollte er nun 25.000 Euro bezahlen.
Schluchzend gibt der Angeklagte zu Protokoll, dass er den Jungen nie beleidigt habe. Der Zuhälter sei sein Freund gewesen: „Ich liebte Mehdi über alles. Er war sogar der Patenonkel meiner ältesten Tochter.“Warum sein Freund und der Türsteher im August 2011 plötzlich begonnen haben, ihn zu bedrohen, wisse er nicht: „Ich sagte ,Mehdi, ich habe dein Kind und deine Frau nicht beleidigt‘, mir kamen die Tränen.“
Majid, der Türsteher, habe ihm ein Messer an den Bauch gehalten: „Er sagte: ,Besser, du tust, was Mehdi sagt, sonst werden deine Kinder vaterlos aufwachsen.‘ Ich schrie: ,Ich zahle meinem Freund kein Schutzgeld!‘“
Statt zur Polizei zu gehen („Ich hatte Angst, dass ich dann eine Kugel abkriege“), schaltete der verängstigte Yasser B. seinen Cousin ein: Rotlichtgröße Omid F. Das habe die Erpresser noch wütender gemacht: „Sie sagten, wenn ich Leute zusammentrommel, wird es nur schlimmer.“ Schließlich habe er sich einen Revolver und zwei Pistolen besorgt: „Ich fühlte mich wie in einer Sanduhr, 14 Tage, ohne Ausweg.“
In der Nacht des 10. August 2011 seien die Erpresser wieder zur „Chill Inlounge“ gekommen: „Mehdi sagte: ,Wenn du nicht zahlst, wird einer von uns sterben.‘ Er presste mich an die Scheibe, Majid sollte zustechen.“
Yasser B. zieht eine Pistole, schießt den Patenonkel seiner Tochter ins Herz. Der Schuss gilt als Notwehr. Dann rennt er dem flüchtenden Türsteher hinterher, erschießt ihn an einem Stromverteilerkasten. Für diese Schüsse muss er sich nun wegen Totschlags verantworten. Fortsetzung am 7. Februar. Rotlicht-Cousin Omid F. soll aussagen.
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