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Donnerstag, 17.03.2011:
Acht Mal Freispruch im Erotic Island Prozess
Im „Erotic-Island-Prozess“ hat das Marburger Landgericht alle acht Angeklagten freigesprochen. Nach mehr als drei Monaten und neun Verhandlungstagen fiel am Dienstag das Urteil der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Carsten Paul.
Marburg. Den Angeklagten wurde vorgeworfen im Juli 2007 vier Männer in einen Hinterhalt in das Marburger Bordell gelockt zu haben, um diese mit Gewalt von Schutzgeldforderungen abzubringen.
Dies sei den Angeklagten nicht nachzuweisen, argumentierte der Richter, der den Plädoyers der zehn Verteidiger folgte. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen Haftstrafen zwischen sieben Monaten und zwei Jahren wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung gefordert.
Die Anwälte bemängelten die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, die diese nur auf die Angeklagten gerichtet hätten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da sich die Staatsanwaltschaft vorbehalten hat, in Revision zu gehen.
Zur Erinnerung:
Messerstiche, Tritte und Faustschläge, Hiebe mit Baseballschlägern und anderen Waffen, eine gezückte Pistole - und jetzt soll auch noch eine Handgranate im Spiel gewesen sein. Mit der Vernehmung von weiteren Zeugen ist am Dienstag vor dem Marburger Landgericht der Prozess gegen neun Männer fortgesetzt worden, die während eines Kampfes im Marburger Bordell "Erotic Island" drei Widersacher schwer verletzt haben sollen.
Wie diese Zeitung berichtet hat, wirft die Staatsanwaltschaft den neun Angeklagten vor, ihre Gegner - ehemalige Türsteher in einem "befreundeten" Bordell in Niddatal - zusammengeschlagen und niedergestochen zu haben, um sie von einer Geldforderung abzubringen. Um 50 000 Euro soll es gegangen sein.
Am dritten Verhandlungstag hörte das Gericht einen Zeugen, der bestätigte, dass die Geschädigten, zwei Brüder und zwei ihrer Helfer, schon längere Zeit vor dem Kampf im "Erotic Island" ihre Geldforderung erhoben hätten. Bereits in dem Bordell in Niddatal hätten sie dieser Forderung durch die Drohung mit einer Handgranate Nachdruck verliehen.
Die damalige Lebensgefährtin des 61-jährigen Angeklagten, der die Zahlung zugesagt haben soll, veräußerte das Bordell im Jahr 2007 an einen Taxiunternehmer, der jetzt ebenfalls angeklagt ist. Ein Zeuge, der bis 2005 die Konzession innehatte, berichtete, dass das Bordell zwar 18 Jahre auf seinen Namen lief, aber wohl nur dem Anschein nach: "Das Sagen hab´ ich wirklich nicht gehabt", beteuerte er. Verantwortlich sei vielmehr der 61-Jährige Angeklagte gewesen, dessen Lebensgefährtin das Bordell letztlich verkauft hat.
Jener 61-Jährige soll den mutmaßlichen Opfern 50 000 Euro zugesichert haben. Er sei es auch gewesen, der die Männer zur Sicherheit des Hauses eingestellt habe, so der Zeuge.
Der Angeklagte widersprach dieser Darstellung. Er gab an, er habe seinerzeit im Gefängnis gesessen und hätte die Männer daher gar nicht einstellen können. Das habe sein Kompagnon gemacht.
Der Zeuge sagte weiter aus, er kenne keine Beträge. Er habe aber mitbekommen, dass der 61-Jährige den Brüdern Geld aus dem Verkauf des Bordells zugesagt habe. Später habe er dann aber erklärt, "die kriegen nichts". Stattdessen habe er gesagt, er kenne einen jungen Türken, der "stark wie ein Ochs sei" und das Problem schon regeln werde.
Streit um das Geld fing schon in dem Bordell in Niddatal an
Eine Bedienung sagte aus, sie wisse nichts von Geldforderungen. Ein ehemaliger Hausmeister hingegen gab an, die Brüder hätten eines Abends die letzten Gäste des Niddataler Bordell rausgeworfen und erklärt, das Etablissement werde erst wieder geöffnet, wenn sie ihr Geld hätten. Einer der Brüder habe gedroht, er besitze eine Handgranate. Dann sei er gegangen und nicht wiedergekommen, schloss der Zeuge.
Die Verhandlung wird am 4. Januar fortgesetzt. Dann sollen unter anderem die Aufnahmen der Überwachungskameras des "Erotic Island" angeschaut werden. Auf Antrag eines der Verteidiger soll dabei ein Rechtsmediziner zugegen sein, der Aufschluss über mögliche Verletzungen der Geschädigten zum Zeitpunkt des Verlassens des Gebäudes geben soll. Die Nebenkläger hatten angegeben, bereits im Gebäude durch Messerstiche schwer verletzt worden zu sein. Zeuginnen, die im "Erotic Island" arbeiteten, hatten dagegen an vorangegangenen Prozesstagen ausgesagt, sie hätten kein Blut gesehen, als die Männer gegangen seien. Einer der Verteidiger sagte nun: "Wir wollen die Verletzungen nicht bagatellisieren."
Jedoch würden die Videos eindeutig belegen, dass die schweren Verletzungen beim Verlassen des Gebäudes noch nicht vorhanden gewesen sein könnten. Auch der Taxifahrer, der die Verletzten an jenem Abend gefunden hat, soll vor Gericht aussagen.
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Am gestrigen zweiten Verhandlungstag wurde unter anderem einer der als Nebenkläger auftretenden Geschädigten vernommen. Er erhob schwere Vorwürfe. Die Verteidigung dagegen versuchte, Unstimmigkeiten zwischen seiner jetzigen Aussage und seinen damaligen Angaben gegenüber der Polizei aufzuzeigen und so seine Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen.
Wie diese Zeitung berichtet hat, sollen Geldforderungen zweier ehemaliger Bordell-Türsteher der Hintergrund für den Kampf im "Erotic Island" gewesen sein. Die Geschädigten behaupten, sie seien grundlos angegriffen worden. Zwei der Angeklagten hatten am ersten Verhandlungstag dagegen ausgesagt, die Geschädigten hätten zuerst zu Messern gegriffen.
Der Nebenkläger sagte gestern aus: "Als die Schlägerei losging, haben die alles rausgeholt, Messer, Teleskopstöcke und Baseballschläger." Auch eine Pistole sei im Spiel gewesen. Er selbst habe kein Messer bei sich gehabt, beteuert der Zeuge. Auch er gab an, dass ihm und seinem Bruder 50 000 Euro aus dem Verkauf eines Bordells zugesichert worden seien. Als man ihm bei der vereinbarten Aussprache im "Erotic Island" gesagt habe, das Geld werde doch nicht gezahlt, hätten er, sein Bruder und zwei Begleiter gleich gehen wollen. Dass 50 000 Euro zugesichert worden sind, bestreitet der 61-jährige Angeklagte, dessen Lebensgefährtin das verkaufte Bordell betrieben hatte. Es habe sich vielmehr um einen Notverkauf gehandelt, gibt er an.
Einer der Verteidiger warf dem 28-jährigen Zeugen vor, von seiner Aussage vor der Polizei in einigen Punkten abzurücken. So habe er den vierten Mann verschwiegen, der bei dem Kampf nicht verletzt worden ist. Zudem habe er seinerzeit angegeben, dass die Gewalttätigkeiten sofort mit einem Messerstich gegen ihn begonnen hätten. Der Mann hatte Stichwunden am Bauch und am Oberschenkel davongetragen. Jetzt vor Gericht sei es auffällig, dass er - ebenso wie bereits sein Bruder - behaupte, dieser sei zuerst von einem der Angeklagten geschubst worden.
Verteidigung versucht, Zweifel an Aussagen der Nebenkläger zu wecken
Jetzt sage der Mann zudem, einen der Angeklagten zum Zeitpunkt der Geldzusage schon länger gekannt zu haben. Nun sage er aus, er sei erst kurz vor dem angeblichen Versprechen aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen.
Die Mitinhaberin des "Erotic Islands" sagte aus, sie sei im Zimmer "eines der Mädchen" gewesen, als die mutmaßlichen Opfer das Gebäude verlassen hätten. Durch ein Fenster habe sie beobachten können, dass die Männer ganz normal gegangen seien. Blut an der auffallend hellen Kleidung habe sie auch nicht gesehen. Die Brüder und einer ihrer Begleiter waren jedoch kurz darauf von einem Taxifahrer unweit des Tatortes schwer verletzt aufgefunden worden. Die Zeugin betonte, von dem Vorfall erst von einem der jetzt angeklagten Männer erfahren zu haben.
Auch zwei Bedienungen, die an dem Tag in der Bar arbeiteten, wollen aus dem Hinterzimmer lediglich Lärm gehört haben. Kurz darauf sei dann ein Mann durch den Flur gerannt und habe eine Blutspur hinterlassen. Mehr hätten sie nicht gesehen: "Vor Schreck haben wir die Küche und den Flur saubergemacht", sagte die eine der Frauen. Ihre Kollegin berichtete, in der Küche sei auch Blut gewesen, auf dem Boden hätten sich zerbrochene Gläser und Aschenbecher befunden, bevor sie mit der Reinigung begonnen hätte. Sie hätten selbstständig ohne Auftrag gehandelt, betonten die Frauen übereinstimmend. Saubergemacht hätten sie, um die Ordnung wieder herzustellen, schließlich seien noch Kunden in dem Bordell gewesen.
Die Verhandlung wird am 14. Dezember mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Ein Urteil ist frühestens Anfang kommenden Jahres zu erwarten.
Kommentar unter dem Bericht:
Akteneinsichtsausschuss Marburger – 30.11.10
Was ist eigentlich aus dem Akteneinsichtsausschuss geworden, der die vielen Ungereimtheiten ums Rot-Grün Renommierprojekt unter die Lupe nehmen sollte? Der wurde doch nach den Wahlen sang- und klanglos UND ERGEBNISLOS abgewürgt. Da besteht nach wie vor KLÄRUNGSBEDARF!
hr-online berichtete:
"Wir werfen der Stadt vor, dass sie nichts getan hat, um dieses Bordell zu verhindern."
Es sei monatelang gebaut worden, ohne dass überhaupt ein Bauantrag vorgelegen habe. Dieser sei dann erst ganz spät vollständig eingereicht worden, kritisiert Hauschildt-Schön. "Immer wieder wurden dem Betreiber Verlängerungsfristen eingeräumt und immer wieder hat man Verständnis für ihre Versäumnisse gezeigt."
Die Stadtverordnetenversammlung hatte dem Magistrat aufgetragen, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Bordell zu verhindern – und genau das habe die Stadt nicht getan, sagen die Kritiker. ..."
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